Informationen zur Verbreitung des Corona-Virus

Donnerstag, 19.11.2020
Pressemitteilung von Biontech/Pfizer zum Impfstoff "BNT162b2"

Kurzfassung der Pressemitteilung vom 18.11.2020 (Quelle):
 
Die Phase-3-Studie hat 43661 Patienten weltweit eingeschlossen, davon waren 41% der Teilnehmer 56-85 Jahre alt, das Mindestalter lag bei 12 Jahren.
 
Die eine Hälfte der Studienteilnehmer erhielt den echten Impfstoff („Verumgruppe“), die andere Hälfte nur eine Scheinimpfung („Placebogruppe“).
 
Es wurden zum jetzigen Zeitpunkt insgesamt 170 Fälle von COVID-19 beobachtet, davon 8 in der Verumgruppe und 162 in der Placebogruppe. Daraus ergibt sich eine Wirksamkeit des Impfstoffs von 95%. Das heißt, dass COVID-19 unter den Geimpften (Verumgruppe) deutlich seltener auftrat als unter den nur scheinbar Geimpften (Placebogruppe).
 
Unter den COVID-19-Fällen waren 10 schwere Verläufe, davon 9 in der Placebogruppe und nur 1 in der Verumgruppe. Das bedeutet, dass unter den Geimpften deutlich weniger schwere Verläufe von COVID-19 zu beobachten waren als unter den nur scheinbar Geimpften.
 
Bezüglich der beobachteten schweren ("Grad-3"-) Nebenwirkungen traten nur zwei Nebenwirkungen bei mindestens 2% der Studienteilnehmer auf, nämlich Abgeschlagenheit (3,8% der Versuchspersonen) und Kopfschmerzen (2%).
 
Zusammenfassend macht der Impfstoff einen sehr guten Eindruck: Die Impfung scheint hocheffizient sowohl eine Erkrankung, als auch einen schweren Verlauf zu verhindern, und das bei geringen, akzeptablen und üblichen Nebenwirkungen. Es bleiben dennoch die vollständigen wissenschaftlichen Daten abzuwarten. Sobald diese vorliegen, werde ich berichten.


Sonntag, 08.11.2020
SARS-CoV-2-Impfung: Zusätzliche Informationsquellen

Liebe Patientinnen und Patienten,
 
hier finden Sie weitere aktuelle Informationen zu Impfstoffen gegen Corona auf den Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung:
Eine wirklich ansprechende und ausführliche Darstellung finden Sie in der New York Times, allerdings auf Englisch: "Corona Virus Tracker".

Sonntag, 01.11.2020
Thema: SARS-CoV-2-Impfung ("Corona-Impfung")

Liebe Patientinnen und Patienten,
 
mein folgender Artikel stützt sich im Wesentlichen auf eine Übersichtsarbeit des Vakzinologen (Impfspezialisten) Prof. Florian Krammer (zur Person, Originalarbeit).
Aktuell sind 180 Impfstoffe in der Entwicklung, von denen sieben hier näher erläutert werden sollen. Im Folgenden gehe ich auf zwei wesentliche Fragen ein:

1.      Wie ist bzw. war es technisch möglich, die Impfstoffentwicklung ohne Abstriche bei der Sicherheit um viele Jahre zu verkürzen?
2.      Welche Impfungen sind aktuell in Entwicklung? Welche Daten liegen zu Wirksamkeit und Sicherheit dieser Impfungen vor?

1. Beschleunigung der Impfstoffentwicklung

Abb. 1: Schritte in der Impfstoffentwicklung: traditionell und SARS-CoV-2-Impfstoffprozess
Folgende Schritte werden in der Impfstoffentwicklung durchlaufen (s. Abbildung 1):
 
a)      Design des Impfstoffs und erste Erprobung im Tiermodell: Dieser Prozess benötigt sonst Jahre und konnte praktisch übersprungen werden, weil bereits ausreichende Daten aus der Impfstoffentwicklung der Coronaviren von 2003 (SARS) und 2012 (MERS) vorlagen.

b)      Präklinische Experimente und toxikologische Studien im Tiermodell: Auch dieser sonst Jahre erfordernde Vorgang konnte durch Übernahme teils vorhandener Daten aus der Impfstoffforschung von SARS und MERS deutlich gekürzt werden.

c)      Phase I- bis Phase-III-Studien: Von einer Phase zur nächsten werden immer mehr Probanden in die Studien eingeschlossen, um Wirksamkeit (funktioniert die Impfung?) und Sicherheit (sind die beobachteten Nebenwirkungen tragbar?) zu überprüfen. Dies sind zu Beginn in Phase I meist weniger als 100 und zum Schluss in Phase III Tausende bis Zehntausende Probanden. Im Normalfall laufen diese Studien zeitlich nacheinander, um die Ergebnisse der vorausgehenden Phase abzuwarten.
Es kommt vor allem aus wirtschaftlichen Gründen häufig zu erheblichen Verzögerungen: Die einzelnen Phasen müssen erst finanziert werden, was Zeit erfordert, es müssen Probanden gefunden werden, und schließlich muss das beauftragende Unternehmen immer wieder prüfen, ob sich die Investition in die nächste Studienphase aufgrund der jeweiligen Marktlage wirklich noch lohnt. Dies führt dazu, dass die Phase I- bis Phase III-Studien sonst 5-7 Jahre benötigen.
Das aktuelle Vorgehen ist anders:
- Die Finanzierung steht bereits aufgrund immenser Investitionen von Staaten weltweit.
- Die Studienphasen wurden überlappend statt nacheinander geplant. Das wäre für die Unternehmen in anderen Situationen wirtschaftlich zu riskant: Wenn sich in Phase I ein Problem entwickelt, das das Gesamtprojekt zum Abbruch zwingt, sind Investitionen in Phase II und Phase III verloren. Durch die staatliche Finanzierung und Abnahme kann die Entwicklung in überlappenden Studienphasen dadurch hingegen ohne Qualitätsverlust deutlich beschleunigt werden.
- Sonst miteinander konkurrierende Unternehmen betreiben eine Kooperation und Aufgabenteilung, so dass auch hier Zeit in der Entwicklung und Erprobung eingespart werden.


d)      Serienproduktion: Die normalerweise erst am Ende erfolgende eigentliche Produktion des Impfstoffs geschieht bereits jetzt, auch auf das Risiko hin, dass bei Nichtzulassung des Impfstoffs sämtliche Impfdosen vernichtet werden müssen. Dies können sich Unternehmen auch nur aufgrund der besonderen Situation leisten, im Normalfall wäre das Investitionsrisiko zu hoch.

e)      Impfstoffzulassung: Die Zulassung des Impfstoffs durch die entsprechenden Behörden (FDA, EMA etc.) dauert im Regelfall 1-2 Jahre, da die Behörden viele andere Medikamente und Produkte bewerten und ggf. genehmigen müssen. Aufgrund der aktuellen Notlage würde ein potenzieller SARS-CoV-2-Impfstoff hingegen prioritär behandelt und sofort geprüft.
 
Zusammenfassend betont Prof. Krammer, dass die Beschleunigung der Impfstoffentwicklung im Wesentlichen durch die Inkaufnahme eines hohen finanziellen Risikos ermöglicht wird. Hingegen bestünden keine signifikanten Abstriche bezüglich der Sicherheit, also Verträglichkeit des Impfstoffs, und das darf auch nicht geschehen.
 
Es wäre im Übrigen für die Vermarktung des jeweiligen Impfstoffs sicherlich das Ende, wenn nicht tragbare Nebenwirkungen aufträten. Die entwickelnden Unternehmen sind also nicht nur aus ethischen Gründen, sondern allein schon aus wirtschaftlichem Interesse auf eine höchst sorgfältige Impfstoffentwicklung interessiert, denn die internationale Konkurrenz ist groß.

2. Beschreibung von sieben Impfstoff-Kandidaten

  • Abb. 2: Coronavirus, Spike-Protein in rot
  • Abb.3 : Vermehrungszyklus von SARS-CoV-2: Anheftung an die menschliche Zelle mittels Andocken des Spike-Proteins am ACE-2-Rezeptor. Mittels der vom Virus mitgebrachten „Bauanleitung“ mRNA produzieren die zelleigenen Ribosomen Proteine, aus denen neue Viren entstehen und aus der Zelle ausgeschleust werden.
a)      Firma: Sinovac. Name des Impfstoffs: CoronaVac.
Totimpfstoff (inaktiviertes SARS-CoV-2) mit Aluminiumhydroxid als Wirkverstärker. Es wurden zwei Impfdosen im Abstand von 2-4 Wochen verabreicht. Die Verträglichkeit wurde als exzellent beschrieben. 90% der Probanden zeigten Antikörper gegen Corona im Sinne eines Ansprechens auf die Impfung - zumindest im getesteten Zeitraum. Die Antikörperspiegel waren allerdings relativ niedrig und bei jüngeren Probanden höher als bei älteren. Aktuell läuft die Phase III-Studie.
 
b)      Firma: Sinopharm.
Totimpfstoff (inaktiviertes SARS-CoV-2) mit Aluminiumhydroxid als Wirkverstärker. Es wurden zwei Impfdosen im Abstand von 2 bzw. 3 Wochen verabreicht. Es konnten mittelhohe Antikörperspiegel nachgewiesen werden. Die Nebenwirkungen waren vergleichbar mit CoronaVac (siehe unter a). Aktuell läuft die Phase III-Studie.
 
c)      Firma: CanSino
Es wird ein nicht-vermehrungsfähiges Adenovirus (unschädliches Erkältungsvirus) verabreicht, welches das Spike-Protein von SARS-CoV-2 („Coronavirus“) in sich trägt (s. Abb 2).
Das Spike-Protein ist die Struktur auf der Oberfläche des Coronavirus, mit der es sich Zugang zur menschlichen Zelle verschafft. Das Immunsystem erkennt dieses Spike-Protein und bildet Antikörper dagegen, so dass es im Falle einer echten Corona-Infektion lebende Viren mit diesen Antikörpern unschädlich machen und für die Zerstörung markieren kann.
Es wurde eine einmalige Impfdosis verabreicht. Die Antikörperspiegel waren niedrig. Als Nebenwirkungen wurden beschrieben: Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen, in 50% Schmerzen an der Einstichstelle sowie Fieber in 9% (hohe Impfdosis) bzw. 1 % (niedrige Impfdosis) der Fälle. Aktuell läuft die Phase III-Studie.
Nebenbemerkung: Nicht-vermehrungsfähige Adenoviren werden vom Immunsystem erkannt und vernichtet. Das Adenovirus hat insofern keine Möglichkeit sich zu wehren geschweige denn dem Körper zu schaden, weil ihm die Genabschnitte entfernt wurden, mit denen es sich normalerweise vermehrt. Das Adenovirus ist also lediglich eine Art Träger, der dem menschlichen Immunsystem das Spike-Protein „präsentiert“, damit das Immunsystem Antikörper bilden kann.
Dieses Impfverfahren ist in Form des Ebola-Impfstoffs in Zentralafrika bereits erfolgreich zum Einsatz gekommen.
 
d)      Firma: AstraZeneca
Auch hier wird ein nicht-vermehrungsfähiges Adenovirus verabreicht, welches das Spike-Protein von SARS-CoV-2 in sich trägt.
Der Großteil der Probanden erhielt eine einmalige, eine kleine Gruppe auch eine zweite Impfdosis nach 28 Tagen. Es fanden sich mittelhohe Antikörperspiegel gegen Corona, die in der Gruppe der Probanden mit zweiter Impfdosis nochmals höher waren.
Die häufigsten Nebenwirkungen bestanden in Abgeschlagenheit (> 70% der Probanden), Kopfschmerzen (> 60% der Probanden). Häufig traten auch Fieber oder ein fieberhaftes Gefühl auf. Aktuell läuft die Phase III-Studie.
 
e)      Firma: Moderna
Hier wird ein neues Impfprinzip verfolgt: Es wird mRNA, also die „Bauanleitung“ für ein Protein (hier: Spike-Protein von SARS-CoV-2), mittels eines Lipid-Nanopartikels (LNP), vereinfacht gesagt also mit einem „Fetttröpfchen“ in den Körper eingebracht.
Hintergrundwissen: In einer menschlichen Zelle wird von der DNA, also der Erbinformation im Zellkern, eine nicht-identische, aber bedeutungsgleiche Abschrift in Form einer mRNA gemacht. Diese mRNA wird zu den Ribosomen außerhalb des Zellkerns (aber noch in der Zelle) transportiert. Das Ribosom produziert nun wie an einem Fließband ein Protein mithilfe der in der mRNA enthaltenen Bauanleitung. Nach Produktion des Proteins wird die mRNA abgebaut (Abb. 3: Lebenszyklus von SARS-CoV-2).
Zum Wirkprinzip der Impfung: Die mittels des Fetttröpfchens (LNP) in den Körper und anschließend in die Zellen transportierte mRNA findet ihren Weg zu den Ribosomen, so dass dort das Spike-Protein produziert wird. Die mRNA wird danach von der Zelle abgebaut. Das Spike-Protein wird nun vom Immunsystem erkannt und führt zur Erzeugung von Antikörpern. Danach wird auch das Spike-Protein vom Körper abgebaut.
Das Spike-Protein allein kann ohne das übrige Virus keinen Schaden verursachen. Die mRNA ist nur eine Bauanleitung und kein Virus. Sie hat weder Kontakt noch Einfluss auf die DNA, also die Erbinformation im Zellkern. Dieses Wirkprinzip wird aktuell auch in der Entwicklung von Impfstoffen gegen Zikavirus und Zytomegalievirus angewendet.
Zum Moderna-Impfstoff: Es wurden zwei Impfdosen im Abstand von 4 Wochen verabreicht. Die hervorgerufenen Antikörper lagen in einem mittleren bis hohen Bereich und waren in der Höhe vergleichbar mit Antikörperspiegeln von genesenen COVID-19-Patienten. Es konnte im Unterschied zu den Totimpfstoffen auch eine T-Zell-Reaktion nachgewiesen werden. Dies ist insofern relevant, weil dadurch eine nachhaltigere und breitere Antwort des Immunsystems auf eine echte Coronainfektion zu erwarten ist, so dass der Geimpfte mutmaßlich besser und länger geschützt ist.
Bezüglich Nebenwirkungen ist von Fieber in 40% bzw. 57% der Fälle nach der 2. Impfung zu berichten. Aktuell läuft die Phase III-Studie, die auch ältere Probanden einschließt.
 
f)       Firma: Pfizer / Biontech (Mainz)
Auch hier wird das gleiche Prinzip verfolgt, also das Einbringen von mRNA mittels eines Fetttröpfchens (LNP, Lipid-Nanopartikel). Die mRNA ist hier eine Bauanleitung nur für die Rezeptor-bindende Region (RBD, receptor binding domain) des Spike-Proteins und nicht des vollständigen Spike-Proteins wie beim Impfstoffkandidaten von Moderna.
Es wurden zwei Impfdosen im Abstand von 3 Wochen verabreicht. Die erreichten Antikörperspiegel waren mittel bis hoch und vergleichbar mit denen von COVID-19-genesenen Patienten. Bezüglich Nebenwirkungen wurde von Fieber berichtet.
Es ist noch ein zweiter Impfstoff von Pfizer in Entwicklung, bei dem die mRNA allerdings für das vollständige Spike-Protein codiert. Hier wurden weniger Nebenwirkungen beobachtet.
Aktuell läuft die Phase III-Studie.
 
g)      Firma: Novavax
Hier kommt ein anderes Impfprinzip zum Einsatz: Das vollständige Spike-Protein wird nach Produktion in Insektenzellen in eine künstliche Mizelle („Kügelchen“) eingeschlossen (Originalartikel), wobei die für das Immunsystem relevanten Abschnitte des Spike-Proteins an der Oberfläche der Mizelle „sichtbar“ sind.
Es wurden zwei Impfdosen im Abstand von 3 Wochen verabreicht. Nur bei Verwendung eines Wirkverstärkers waren relevante Antikörperspiegel zu erreichen, dafür aber sehr hohe. Außerdem war auch eine T-Zell-Antwort nachzuweisen, die – wie bereits erwähnt – für eine nachhaltige und breite Immunantwort und damit einen längeren und besseren Immunschutz vorteilhaft ist.
Beobachtete Nebenwirkungen bestanden in: Abgeschlagenheit, Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle, Gliederschmerzen, Gelenkschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, selten Fieber.
Aktuell laufen Phase II- und III-Studien.

(Bildquellen: Abbildung 2: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=88739655 , Abbildung 3: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86444014 )

Abschließende Bewertung: Coronaimpfstoffe

Abb 4.: Impfstoffkandidaten im Detail
Zusammenfassend kann der aktuelle Forschungsstand laut Prof. Krammer als vorsichtig optimistisch bezeichnet werden.

Durch die genannten Impfungen werden allerdings vor allem Antikörper vom Typ IgG hervorgerufen, die insbesondere den unteren Atemwegstrakt, also die Lunge, schützen. Hingegen werden keine ausreichenden Spiegel von Antikörpern des Typs IgA produziert, so dass der obere Atemwegstrakt, also Rachen und Umgebung nicht genügend geschützt sind.
Somit ist kein Schutz vor einer Infektion generell zu erwarten, sondern lediglich ein Schutz vor einem schweren Verlauf im Sinne einer Infektion der Lunge. Daher geht man davon aus, dass auch nach Verabreichung einer Impfung weiterhin die Notwendigkeit zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes erforderlich sein wird.
Die Entwicklung eines Lebendimpfstoffs, der über die Nase verabreicht wird (existiert für Grippe), wäre grundsätzlich wünschenswert, weil ein solcher die Bildung von Antikörpern beider Typen (IgG und IgA) hervorrufen würde. Allerdings sind Impfstoffe dieser Art nur vereinzelt in der Entwicklung befindlich, und es gibt aktuell noch keine klinischen Studien dazu. Es ist aber durchaus denkbar, dass Impfstoffe dieser Art verzögert auf den Markt kommen.
 
Aktuell ist nicht bekannt, wie gut ältere Menschen auf die Impfung ansprechen. Ältere Menschen benötigen für einen ausreichenden Schutz außerdem häufig höhere Antikörperspiegel als junge Menschen (Erfahrungen aus der Entwicklung von Grippeimpfstoffen).
 
Prof. Krammer schließt ab, dass die Impfstoffe von AstraZeneca, Moderna und Pfizer hochwahrscheinlich eine ausreichende Wirksamkeit erreichen werden, so dass eine Zulassung zu erwarten ist, sofern die Nebenwirkungen wie bislang gering bleiben.
 
Ich darf persönlich noch anmerken, dass bedenkliche Impfnebenwirkungen im Sinne einer Impfkomplikation im Allgemeinen weit überschätzt werden. Sieht man von normalen Impfreaktionen ab, wie sie auch in den oben genannten Studien beobachtet wurden, also Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Krankheitsgefühl, Fieber, starker Abgeschlagenheit u.a., dann habe ich nach ca. 12.000 Impfungen in den letzten 9,5 Jahren erfreulicherweise keinen einzigen Fall einer Impfkomplikation erleben dürfen. 
Es gerät zu oft in Vergessenheit, das jährlich Millionen von Leben durch Impfungen gerettet bzw. Gesundheitsschäden durch Impfungen verhindert werden: So hat allein die Masern-Impfung laut WHO vom Jahr 2000 bis 2015 insgesamt 17 Millionen Menschenleben gerettet (WHO zu Masern). Und nur durch eine Impfung konnten die Pocken als Krankheit ausgerottet werden, die allein im 20. Jahrhundert 300 Millionen Menschenleben gekostet haben (WHO zu Pocken).
 
Schließlich glaube ich persönlich, dass die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs als einzigartige und nie dagewesene internationale Zusammenarbeit und Leistung erinnert werden wird. Wir alle werden wohl den Wissenschaftlern und anderen Beteiligten unseren Respekt und unsere Dankbarkeit schulden.

Samstag, 22.08.2020

Liebe Patientinnen und Patienten,
 
bitte achten Sie auch weiterhin auf die Vorsichtsmaßnahmen „Abstand, Hygiene, Alltagsmaske (AHA)“: Wir sind in Deutschland in einer bislang milden zweiten Welle. Auch unsere unmittelbaren Nachbarländer sind ähnlich oder stärker betroffen (Belgien, Tschechien). 
Die Karte (Quelle) zeigt die Infektionsfälle pro Tag im jeweiligen Land. In allen Ländern um Deutschland ist ein Anstieg der Infektionsfälle klar zu erkennen.
Das zweite Diagramm (Quelle) zeigt, dass die Infektionsfälle in Wiesbaden ebenfalls deutlich zunehmen. Wir alle dürfen jetzt nicht nachlässig werden, auch wenn es vielleicht nicht leicht fällt, diszipliniert zu sein und der Bequemlichkeit zu widerstehen.

Dienstag, 28.07.2020

Liebe Patientinnen und Patienten,
 
bitte seien Sie in der nächsten Zeit besonders aufmerksam und achten auf die Vorsichtsmaßnahmen „Abstand, Hygiene und Maske“.
In den Nachbarländern scheint sich eine neue Infektionswelle („2. Welle“) anzubahnen, teilweise ist sie auch wohl schon da. Die Diagramme (Quelle) zeigen die Infektionsfälle pro Tag, und man sieht, dass nach einer ersten Welle entweder im Ansatz oder sogar deutlich erkennbar eine zweite Welle unterwegs ist, zum Beispiel in Luxemburg und in Tschechien.
Aus diesem Grund hatte das Robert-Koch-Institut heute eine Pressekonferenz abgehalten, um auf die Situation aufmerksam zu machen.

Sonntag, 26.07.2020

Liebe Patientinnen und Patienten,
 
im Augenblick herrscht in Deutschland bezüglich der Corona-Pandemie erfreulicherweise etwas Ruhe. Das gibt uns die Chance, uns ein wenig vom Pandemie-Stress zu erholen, das Wetter zu genießen, Freunde und Bekannte endlich wiederzusehen – natürlich unter Beachtung der Sicherheitsregeln (siehe auch „Zusammen gegen Corona“).
 
Sollte es im Herbst tatsächlich noch einmal einen erheblichen Anstieg der Infektionsfälle geben, wird unsere Motivation für erneute Isolationsmaßnahmen sicherlich besser sein, wenn wir den Sommer so gut wie möglich genutzt haben. Insofern halte ich es aus psychologischen Gründen für ganz wichtig, sich diese kleine Pause von der Pandemie zu gönnen.
 
Heute möchte ich zu folgenden Themen etwas schreiben:
 
- Corona-Warn-App
- Gesichtsmaske
- 3 Mio. gerettete Leben in Europa

Zu einigen anderen Themen gibt es noch keine wirklich entscheidende Nachricht. Verlässliche Ergebnisse brauchen einfach Zeit. Dies betrifft u.a. auch die Themen Impfung, Medikamente, Antikörpertest und Antigentest.
Bislang keine wirklich entscheidende Bedeutung haben Mutationen des Virus (Originalartikel) sowie die Blutgruppe von Infizierten (Originalartikel).

Corona-Warn-App

Diese App wurde in Deutschland besser angenommen als in anderen europäischen Ländern, aktuell wurde sie 16 Millionen Mal heruntergeladen (siehe Abbildungen). Je mehr Menschen mitmachen, desto besser kann uns diese App helfen, harte Maßnahmen wie erneute Schließungen von Geschäften und Restaurants zu vermeiden.
Stattdessen kann die App die Kontaktpersonen von Infektionsfällen gezielt informieren und dadurch eine Quarantäne der „richtigen“ Personen ermöglichen, statt die ganze Bevölkerung in die Isolation zu schicken.
Informationen zum Quellcode und zu Themen des Datenschutzes bezüglich der App finden Sie bei heise.de.

Gesichtsmaske

Eine Maske zu tragen bedeutet für fast alle keine wirkliche Mühe und hat nach aktuellem Kenntnisstand auch eine nachweisliche Wirkung, insofern befürworte ich ganz klar das Tragen einer Gesichtsmaske.
Die Universität Mainz hat zusammen mit anderen eine gut verständliche Untersuchung veröffentlicht, die eine deutliche Senkung der Infektionen durch das Tragen der Maske anhand des Beispiels in Jena zeigt (siehe Abbildung 1, Originalartikel). Hierzu gibt es auch zahlreiche andere Untersuchungen mit gleichem Ergebnis, zum Beispiel anhand der Situation in Italien (Abbildung 2).
Ein recht plastisches Beispiel findet sich in DER SPIEGEL. Hier hatten zwei Friseure in Unkenntnis ihrer Infektion 140 Kunden weiter bedient, offenbar aber dank ihrer Masken keine einzige Person angesteckt.
Für Interessierte findet sich eine etwas komplexere, dafür aber detailliertere Untersuchung in The Lancet.

3 Mio. gerettete Leben in Europa

Diese hochkarätig in Nature publizierte Untersuchung zeigt uns, dass die für uns alle mühsamen Beschränkungsmaßnahmen („lockdown“) sich definitiv gelohnt haben: In Deutschland wurden dadurch etwa 500.000 Menschenleben gerettet, in Europa insgesamt 3.000.000.
Das zweite Diagramm aus der Financial Times zeigt, was passiert, wenn die Maßnahmen gegen die Pandemie nicht konsequent genug durchgeführt werden: Die USA haben es nicht geschafft, die erste Welle zu überwinden, und die Infektionszahlen steigen weiterhin immens. Hoffen wir für die Menschen dort, dass sich Wissenschaft und Fakten durchsetzen.

Montag, 22.06.2020

Erfolg der Beschränkungsmaßnahmen in Zahlen

Liebe Patienten,

für uns alle ist es eine psychische und wirtschaftliche Belastung gewesen, die Beschränkungsmaßnahmen einzuhalten. Wir alle haben damit viele Infektionen verhindert und somit Leben gerettet. Mittlerweile gibt es gute mathematische Modelle, um zu errechnen, wie viele Infektionen es ohne die Beschränkungsmaßnahmen gegeben hätte.

Eine aktuelle Studie (s.u.) hat den Verlauf in folgenden Ländern untersucht: China, Südkorea, Italien, Iran, Frankreich, USA. Sie kommt zum Ergebnis, dass sich ohne die Beschränkungsmaßnahmen möglicherweise 530 Millionen Menschen zusätzlich infiziert hätten (im Vergleich zu aktuell 3 Millionen Infizierten in allen sechs Ländern zusammen).

Dies verdeutlicht und unterstreicht, wie wichtig diese Maßnahmen waren. (siehe Originalartikel)

Sonntag, 21.06.2020

Corona-Warn-App

Liebe Patienten,
 
seit Dienstag ist die „Corona-Warn-App“ verfügbar. Diese Anwendung für Smartphones soll den Besitzer warnen, wenn in den vorausgehenden zwei Wochen eine räumliche Nähe zu einem anderen Menschen bestand, der sich – ebenfalls über die App – als Corona-positiv gemeldet hat. Ist dies der Fall, kann sich der Anwender zum Schutz anderer in eine freiwillige Quarantäne begeben.
 
Die Anwendung scheint hinreichend sicher bezüglich des Datenschutzes (siehe Artikel bei heise.de). Der Quellcode (die „Programmierung“) ist offengelegt, so dass jeder Fachkundige sich die Anwendung in allen Details und Funktionen anschauen kann. Zur Handhabung finden Sie hilfreiche Hinweise bei heise.de.
 
Diese App gibt der Bevölkerung im Ganzen die Chance, lokale Ausbrüche der Virusinfektion mittels der App rasch einzudämmen, ohne dass erneut umfängliche Beschränkungen des öffentlichen Lebens erfolgen müssen.
Gerade Ausbrüche wie kürzlich in der Fleischfabrik bei Gütersloh hätten mit einer solchen App möglicherweise viel rascher beherrscht werden können, bevor über 1000 Menschen sich mit Corona infizieren.
 
Insofern befürworte ich die Verwendung dieser App und habe sie natürlich selbst auch auf meinem privaten Smartphone installiert. Sie hat auch eine gute wissenschaftliche Basis bezüglich des Nutzens (siehe Originalartikel).
 
Sie können die App hier herunterladen.

Montag, 01.06.2020

Liebe Patienten,

heute möchte ich auf folgende Themen eingehen:

- Aktueller Stand der Corona-Pandemie in Deutschland
- Informationsvermittlung durch die Medien
- „R-Wert“ und Vergleich von Corona zu anderen Viren
- Die COVID-19-Infektion – was ist bis jetzt bekannt?

Aktueller Stand der Corona-Pandemie in Deutschland

Die Bemühungen der Bevölkerung, der Politik und der Medizin haben bewirkt, dass die erste Welle von Infektionen deutlich abgeflacht ist. Das Diagramm lässt erkennen, dass die Zahl aktuell Erkrankter deutlich zurückgegangen ist (rote Kurve), nicht zu verwechseln mit der Zahl derer, die die Erkrankung hatten oder haben (blaue Kurve). Derzeit sind also etwa nur 8000 Menschen noch aktiv an COVID-19 erkrankt.
Dies ist für alle ein sehr erfreuliches Ergebnis und der weitgehenden Mehrheit der Bevölkerung zu verdanken. Sie hat verstanden, die Bedrohung durch Corona weder zu unter- noch zu überschätzen, und ihre Lebensweise entsprechend vernunftorientiert anzupassen. Hingegen ist das Verhalten von kleinen Randgruppen auf Demonstrationen gefährlich: Die Verbreitung von Falschinformationen führt zu fahrlässigem Verhalten und gefährdet in rücksichtsloser Weise das Leben anderer.
Aktuell hat es in Wiesbaden einen Ausbruch von Infektionen in einem Seniorenheim gegeben. Dies zeigt, dass es noch lange nicht vorbei ist. Deutschland meistert die Situation weltweit vorbildlich. Wer sich verständlicherweise manchmal fragt, wie lange das alles noch geht, möge in die USA schauen und froh sein, dass uns dieses furchtbare Schicksal nicht ereilt hat und hoffentlich auch nicht wird.

Informationsvermittlung durch die Medien

Wissenschaft ist ein langsamer Prozess, der viel Zeit und Geduld erfordert. Die Medien hingegen brauchen schnelle Nachrichten und Sensationen, sonst werden sie nicht wahrgenommen.
Dieser Gegensatz führt zum Missverständnis, dass angeblich mal die eine, mal die gegenteilige Empfehlung im Raum steht.
Insofern empfehle ich, nicht jeder Sensationsmeldung, egal ob positiv oder negativ, in den Medien zu folgen, sondern erst einmal abzuwarten, bis Fakten aus Studien die eine oder andere Vermutung erhärten oder entkräften.
Dennoch möchte ich betonen, dass es sicherlich sinnvoll und empfehlenswert ist, sich über die bewährten Medien zu informieren, also öffentlich-rechtliches Fernsehen sowie seriöse Printmedien. Man muss eben ein wenig „filtern“ und schrille Meldungen etwas abkühlen lassen.
Es darf keinesfalls passieren, dass man sich von diesen Medien abwendet und seine Informationen bei selbsternannten „Gurus“ auf YouTube oder über Gerüchte bei Facebook, WhatsApp, Twitter etc. erwirbt. Das kann nur in die Irre führen, denn dort muss niemand Rechenschaft über seine Inhalte ablegen. Genauso gut könnte man beliebige Leute auf der Straße fragen, wie man denn am besten das Coronavirus behandelt.
Verlässliche Informationen erhalten Sie hier:
http://www.infektionsschutz.de/coronavirus
http://www.zusammengegencorona.de
http://www.rki.de/covid-19
Außerdem kann ich den Podcast „Das Coronavirus-Update“ mit Professor Christian Drosten auf NDR empfehlen. Herr Drosten ist in Deutschland der mit dem Coronavirus am besten vertraute Virologe:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html

„R-Wert“ und Vergleich von Corona zu anderen Viren

Die New York Times hat ein anschauliches Diagramm veröffentlicht (s. Bild). Der „R-Wert“, also die Anzahl der Menschen, die von einem Erkrankten angesteckt werden, ist auf der unteren Achse markiert. Je weiter die Erkrankung rechts liegt, desto mehr Menschen werden von einem einzelnen Erkrankten angesteckt. Die Masern (Measles) sind also deutlich ansteckender als SARS-CoV-2 („new coronavirus“).Die linke Achse zeigt die Sterblichkeit. Ebola ist also deutlich gefährlicher als das aktuelle SARS-CoV-2-Virus.An diesem Diagramm lässt sich aber auch erkennen, wie unsinnig die Aussage „Corona ist genauso harmlos wie eine Grippe“ ist: Die Grippe kann nämlich sehr unterschiedlich gefährlich sein. Die Vogelgrippe („bird flu“) zum Beispiel ist hochgefährlich und auf einem Niveau mit Ebola, die Grippe von 2009 („2009 flu“) hingegen ist so harmlos gewesen wie eine einfache Erkältung („common cold“).SARS-CoV-2 ist nicht als Punkt, sondern als rote Fläche markiert, weil die Sterblichkeit noch nicht genau bekannt ist. Die Sterblichkeit von COVID-19, also der Krankheit, die durch SARS-CoV-2 ausgelöst wird, ist jedoch schon hoch genug, um auch moderne Gesundheitssysteme zu überfordern, insbesondere dann, wenn die Bedrohung nicht ernstgenommen wird.

Die COVID-19-Infektion – was ist bis jetzt bekannt?

Das Virus befällt zunächst die oberen Atemwege, also Nase und Rachen („Stage I“ auf dem Diagramm). Die häufigsten Symptome sind Fieber und Husten. Ein Geschmacksverlust ist zwar typisch, kommt aber auch bei „normalen“ Erkältungen vor.In der zweiten Phase befällt das Virus die Lunge („Stage II“). Jetzt ist der Rachenabstrich auf SARS-CoV-2 oft schon nicht mehr positiv, obgleich man die Erkrankung hat. Jetzt kann Luftnot als Symptom hinzutreten. Es zeigt sich das Bild einer Lungenentzündung.In der dritten Phase kommt es zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems. Infolgedessen schädigt das Immunsystem den eigenen Körper. Es gibt daher Überlegungen, das Immunsystem mit Medikamenten zu zügeln.Außerdem treten Entzündungen des Herzmuskels bis hin zum Herzversagen auf. Darüber hinaus werden Gerinnungsstörungen mit Bildung von Thrombosen und Lungenembolien beobachtet.Dies fasst das zusammen, was aktuell als bekannt betrachtet werden darf. Andere Beobachtungen bei Coronavirusinfektionen sind vorläufig, auch wenn diese in den Medien sofort aufgenommen und so dargestellt werden, als wären es bestätigte Fakten Ein Beispiel sind aktuell berichtete Fälle gewisser Begleiterscheinungen bei Kindern. So etwas ist jedoch nicht als fertige Tatsache zu betrachten. Häufig gibt es ein zufälliges gemeinsames Auftreten zweier Ereignisse, die aber ursächlich nichts miteinander zu tun haben. Und häufig werden solche Beobachtungen durch andere im Verlauf widerlegt.Schließlich ist noch zu sagen, dass Studien eine völlig unterschiedliche Qualität haben können. Es ist die Bewertung durch Experten abzuwarten, bevor durch Medien wie die Bild-Zeitung irgendwelche Rückschlüsse gezogen werden, die nicht zulässig sind und renommierte Experten völlig ungerechtfertigt attackiert werden. Dies geschieht wohl nur, weil es Leser anzieht. Das ist moralisch höchst fragwürdig. Hier gilt daher nochmals: Erstmal abwarten und die Wissenschaft ihre Arbeit machen lassen. (Originalarbeit zum Diagramm)

Sonntag, 17.05.2020

Liebe Patientin, lieber Patient,

ich möchte heute auf mehrere Themen eingehen:

  • Mit Köpfchen durch die Pandemie
  • Woher weiß man, wo das Virus herkommt?
  • Ist Corona wirklich so „schlimm“?
  • Warum ist die Sterblichkeit in verschiedenen Ländern so unterschiedlich?
  • Warum dauert es so lange mit dem Impfstoff?
  • Neues zum Antikörpertest?
  • Gibt es mittlerweile Medikamente gegen Corona?
  • Leben Sie Ihr Leben! – mit Abstand, Maske und Hygiene

Mit Köpfchen durch die Pandemie

In einer Ausnahmesituation wie der aktuellen Corona-Pandemie ist es für uns alle das Wichtigste, einen kühlen Kopf zu bewahren, unseren Verstand zu benutzen und uns aus sicheren Quellen, also bei Experten, zu informieren.
Nur so kommen wir bestmöglich durch diese Zeit, die noch solange ungewiss bleiben wird, bis ein Impfstoff vorliegt. Hingegen sind weder durch Panik noch durch Verleugnung oder Realitätsverzerrung geleitete Verhaltensweisen geeignet, uns zu helfen.

Woher weiß man, wo das Virus herkommt?

Jedes Virus hat einen genetischen Fingerabdruck. Wenn man den Fingerabdruck des in verschiedenen Ländern kursierenden Virus mit dem von in bestimmten Tieren vorkommenden Virus vergleicht, lässt sich der Fingerabdruck abgleichen und die Herkunft ableiten.
Im Diagramm 1 sind mehrere solcher Fingerabdrücke dargestellt. In Grün sieht man ein bestimmtes, in Fledermäusen vorkommendes Virus, in Rot das weltweit kursierende Virus. Man kann erkennen, dass diese beiden Viren weitgehend identisch sind. Kleine Abweichungen sind normal, weil Viren sich im Fortpflanzungszyklus verändern können.
Somit kann die Herkunft als weitgehend gesichert gelten.

Ist Corona wirklich so „schlimm“?

Zahlen sind abstrakt, man kann sich darunter vielleicht nicht viel vorstellen. Daher ein Bild aus dem wahren Leben: Ich bekomme Berichte von befreundeten Ärztinnen und Ärzten im Rhein-Main-Gebiet, in Deutschland und aus ganz Europa, die direkt an der „Front“ in Kliniken, teilweise auf Intensivstation arbeiten. Mit vielen von ihnen habe ich zusammen studiert und kenne deren bewährte Kompetenz.
Meine Kollegen berichten alle davon, dass die aktuelle Situation eben nicht so ist wie bei gewohnten Grippewellen oder anderen Epidemien. Sie berichten, dass ein – je nach Region – erheblicher Mehranfall von Patienten vorliegt und die Kapazitäten unter Stress stehen oder sogar – je nach Region – auch überfordert werden.
COVID-19-Patienten sind deutlich länger beatmet auf Intensivstation als Patienten solche mit Grippe oder mit „üblichen“ Lungenentzündungen, dadurch sind Betten und Beatmungsmaschinen länger „blockiert“.
Bei sonstigen Lungenentzündungen hat man bei bakterieller Ursache Antibiotika, bei Grippe das Medikament Oseltamivir, aber bei SARS-CoV-2 („Corona“) hat man (noch) nichts, von dem man sicher wüsste, dass es ausreichend wirkt. Man kann gewissermaßen nur zusehen und hoffen.
Besonders dramatisch sind die Berichte eines gut befreundeten Ärztepaars in London. Hier ist der Anfall von kranken Menschen so hoch, dass eine ausreichende Versorgung nicht mehr gewährleistet ist und es an allem fehlt: Betten, Beatmungsmaschinen, medizinisches Personal. In London musste sogar ein provisorisches Krankenhaus mit 4000 Betten gebaut werden (Artikel auf Business-Insider).
Wenn die befreundete Ärztin mir berichtet, dass drei ihr bekannte Krankenschwestern in ihrer Klinik mit Mitte fünfzig verstorben sind und sechs Schwestern und Ärzte auf Intensivstation lagen und es teils beatmet zum Glück überlebt haben, bleiben mir persönlich keine Zweifel mehr, dass wir alle die Situation ernst nehmen sollten und das Tragen von Masken nun wirklich nicht zu viel verlangt ist.
Es wäre fatal zu glauben, in Deutschland könnte das nicht passieren. Wir können uns glücklich schätzen, dass seitens der Ärzte, aber auch der Politik viel früher reagiert wurde als zum Beispiel in Großbritannien oder den USA, wo von höchster Stelle in der Politik bis tief in die Krise noch an der Existenz einer Pandemie gezweifelt wurde und wird. Die Folgen sind unübersehbar: Dort ist das Virus geradezu explodiert, während es in Deutschland nur hier und da kleine „Brände“ gibt.
Und wir haben Glück, dass Corona „nur“ so schlimm ist wie eine „schwere Grippe ohne Impfstoff“. Das heißt, Corona und Grippe sind durchaus vergleichbar, aber ein exakter Vergleich scheitert an präzisen statistischen Daten zu Sterbefällen an der Grippe. Entscheidend sind oben genannte Fakten, dass die Gesundheitsversorgung nachweislich belastet und länderabhängig auch überlastet ist. Insofern ist die Situation schwierig genug, aber keine Apokalypse. Hätten wir es hingegen mit einer Ebola-Pandemie zu tun, wären unsere Masken sehr wahrscheinlich fast nutzlos und die Sterblichkeit bei >68% (siehe letzter Ebola-Ausbruch auf Wikipedia).
Zuletzt möchte ich daran erinnern, dass Corona zwar für ältere und krankere Menschen gefährlicher ist, das bedeutet aber nicht, dass junge und gesunde Menschen völlig verschont bleiben. Hier kommen Sterbefälle zwar seltener vor, jedoch sind die Chancen dafür dennoch grob kalkuliert 10.000 Mal besser als im Lotto 6 Richtige zu treffen (bei einer angenommenen Sterberate von 1:1000 durch Corona im Vergleich zu 6 aus 49 Richtigen ohne Zusatzzahl und Superzahl, Trefferrate 1:14.000.000, siehe unten, mein Beitrag "Gefährdungsgrad durch COVID-19").

Warum ist die Sterblichkeit in verschiedenen Ländern so unterschiedlich?

Hierfür gibt es mehrere Gründe.
- Beispiel Testrate: In Deutschland wurden im Unterschied zu Italien auch leichter Erkrankte getestet. Wer aber leichter erkrankt ist, der überlebt auch eher. Das drückt die Sterblichkeitsrate nach unten.
- Beispiel Zugang zum Test: In den USA musste man wochenlang den Test selbst bezahlen.
- Beispiel Lebensweise: In Italien leben wesentlich mehr Menschen im großen Familienverbund, so dass Ältere rasch von der jüngeren Generation angesteckt werden. In Deutschland sind Familien eher Kleinfamilien, so dass eine „Isolation“ der Älteren vorliegt.
- Beispiel Bettenkapazität: Die Krankenhauskapazitäten in Italien, aber auch Großbritannien wurden insbesondere in den letzten Jahren aus Kostengründen deutlich reduziert, und zwar in größerem Ausmaß als in Deutschland. Wer aber nicht behandelt bzw. beatmet wird, hat ein deutlich größeres Risiko zu versterben.
Schließlich führt die Angst vor Corona dazu, dass sich viele Patienten nicht im Krankenhaus vorstellen, obwohl es notwendig wäre. Außerdem konzentriert man sich in Kliniken so sehr auf Corona, dass das Risiko besteht, andere Krankheiten aus dem Blick zu verlieren.


Warum dauert es so lange mit dem Impfstoff?

Es gibt bislang keine Corona-Impfstoffe aus der Vergangenheit und somit keine direkt nutzbare Basis. Dies ist ein entscheidender Unterschied zu Grippeimpfstoffen, die innerhalb weniger Monate auf den Weg gebracht werden können.
Dennoch können Bestandteile von anderen Impfstoffen als „Grundbaustein“ verwendet und so angepasst werden, dass daraus ein Corona-Impfstoff konstruiert wird. Dieses Wissen beschleunigt den aktuellen Gesamtprozess ganz erheblich, deshalb besteht Hoffnung, dass es eben keine 5-10 Jahre dauert.
Die Testung des Impfstoffs auf Wirksamkeit und Verträglichkeit benötigt die meiste Zeit. Der aktuell in Mainz in Erprobung befindliche Impfstoff wird aktuell für mehrere Monate an gesunden Freiwilligen erprobt, danach für mehrere Monate an älteren Freiwilligen mit Vorerkrankungen.
Entgegen manch falscher Vorstellung, man würde irgendwann mit einem nicht oder nicht ausreichend getesteten Impfstoff geimpft, möchte ich hier betonen: Ein erster Impfstoff ist da, aber er wird jetzt aus Gründen der Sorgfalt und Sicherheit zunächst lange und ausführlich getestet, ob er funktioniert und gut genug verträglich ist. Die Impfstoffentwicklung dauert lang, gerade weil so intensiv getestet wird. Dies soll einen wirksamen und sicheren Impfstoff gewährleisten, bevor dieser bei der Gesamtbevölkerung angewendet wird.
Sobald der Impfstoff bereit ist, werden vermutlich – ähnlich wie bei der Schweinegrippe 2009 (siehe Wikipedia) – wieder zuerst besonders gefährdete Personengruppen geimpft und danach erst die übrige Bevölkerung.

Neues zum Antikörpertest?

Aktuell kann ich Ihnen (noch) nicht empfehlen, einen Antikörpertest durchzuführen. Die Angaben zur Verlässlichkeit des Tests stammen zum einen von der Herstellerfirma selbst, zum anderen war die Datenbasis klein (nur 69 Corona-Patienten, s.u., Diagramm 2).
Außerdem bedeutet das Vorliegen von Antikörpern nicht unbedingt, dass es auch schützende Antikörper sind, siehe Diagramm 3 mit den Antikörperspiegeln von Corona-Infizierten: Die Patienten P1 bis P10 hatten zwar Antikörper, diese waren aber nicht schützend (keine Säule sichtbar), und bei den übrigen Patienten (P11 bis P175) war die Wirksamkeit der Antikörper sehr unterschiedlich von weit unter 500 bis 20.000.
Manchmal können Antikörper sogar erst recht eine Erkrankung verschlimmern, so bei Dengue-Fieber: Beim Vorliegen bestimmter Antikörper nach einmal durchgemachter Denguevirus-Infektion verläuft die zweite Infektion deutlich heftiger. Antikörper ist also nicht gleich Antikörper.
Schließlich wird die Immunität nicht allein durch Antikörper hervorgerufen, sondern auch durch „trainierte“ Immunzellen (T-Zellen), was die Situation in der Beurteilung noch komplexer macht.
Es gilt also:
- Ist ein solcher Antikörpertest positiv, dann weiß ich nicht, ob ich wirklich geschützt bin und muss weiter Abstand halten und eine Maske tragen, denn ich könnte mich noch infizieren und andere anstecken.
- Ist der Test negativ, dann muss ich weiter Abstand halten und eine Maske tragen.
Da das Resultat in meinem Verhalten unverändert ist, empfehle ich den aktuellen Test nicht. Außerdem ist zu bedenken: Man müsste den Test theoretisch wöchentlich wiederholen.
Meine Empfehlung wird sich sicherlich irgendwann verändern, aber eben nicht heute.
Wer trotzdem einen Test durchführen möchte, kann dies bald (vermutlich Ende Mai) in Testzentren, die dies auf Privatkosten des Patienten anbieten.
Strengstens abraten möchte ich allerdings davon, nach einem positiven Test (also Vorhandensein von Antikörpern) alle Schutzmaßnahmen (Abstand, Maske etc.) fallen zu lassen und womöglich gleich die Großeltern zu besuchen. Das kann unter Umständen tödliche Folgen für diese haben.

Gibt es mittlerweile Medikamente gegen Corona?

Remdesivir ist aktuell der beste Kandidat. In einer US-Studie (s. Diagramm 4) zeigt es zumindest eine gewisse Wirksamkeit. Dies führte vor 1 Woche zur Zulassung in den USA, in Europa wird es derzeit erwogen.
Für sich allein ist Remdesivir noch nicht wirksam genug. Es sind weitere Wirkstoffe in Entwicklung.

Leben Sie Ihr Leben! – mit Abstand, Maske und Hygiene

Da uns die Corona-Pandemie noch lange (mindestens Monate, eher ein weiteres Jahr) beschäftigen wird, können wir aus psychologischen Gründen nicht dauerhaft im Ausnahmezustand verharren. Wir brauchen eine gewisse Normalität, sonst überfordert uns der Dauerstress.
Wir brauchen einerseits Vorsichtsmaßnahmen, über die wir irgendwann gar nicht mehr nachdenken müssen, weil sie zur Gewohnheit geworden sind: Abstand, Maske, Hände waschen. Andererseits benötigen wir eine (teilweise) Wiederaufnahme unserer gewohnten Tätigkeiten und Lebensweise, so dass wir spüren können, dass das Leben weitergeht.
Bitte betrachten Sie es als vorläufige Information, die sehr wahrscheinlich richtig ist, aber es gibt noch keine Garantie: Eine Übertragung über Gegenstände scheint nicht stattzufinden. Die Infektion geschieht offenbar im Wesentlichen durch unmittelbares Einatmen von Coronaviren-transportierenden Tröpfchen, die von Infizierten ausgehustet werden.
Die Medizin arbeitet unter Hochdruck an Lösungen, auch wenn das für Nicht-Mediziner im Unsichtbaren geschieht. Medikamente werden entwickelt, um Erkrankte zu behandeln. Studien zu Übertragungswegen der Infektion sammeln Informationen, so dass wir uns gezielter schützen und zugleich mehr Freiheiten gewinnen können. Und schließlich laufen parallel Impfstudien.
Dennoch ist der ganze „Spuk“ erst dann wirklich vorbei, wenn wir uns impfen lassen können. Ich behalte das Geschehen im Auge. Anfangs habe ich bis zu 10 Stunden pro Woche mit Online-Vorträgen und -Konferenzen zum Corona-Virus verbracht, momentan sind es noch wenige Stunden wöchentlich.
So kann ich für Sie auch weiterhin die wichtigsten Informationen dieses komplexen Themas heraussuchen, zusammenfassen und in allgemeinverständliche Form bringen.

Diagramme

Dienstag, 05.05.2020

Thema: Antikörpertests - ein Update

Liebe Patientin, lieber Patient,

sämtliche aktuell angebotenen Antikörpertests auf "Corona" sind noch nicht ausreichend auf Qualität und auf Beantwortung der kritischen Fragen geprüft:

- Haben andere als die Hersteller des Tests den Test schon ausreichend auf die Genauigkeit (Sensitivität/Spezifität) geprüft?
- Testet der Test genau dieses Coronavirus (SARS-CoV-2) und kein anderes Coronavirus? 
- Sind die Antikörper denn überhaupt schützende Antikörper, verhindern also eine Ansteckung, oder sind sie nur eine Nebenerscheinung wie bei einer HIV-Infektion: Es liegen Antikörper vor, aber sie schützen nicht vor HIV.

Sie finden den aktuellen Stand dazu auch bei der KV Hessen.

Sobald ein validierter, also auf Qualität hinreichend getesteter Test vorliegt und von den entsprechenden Fachgesellschaften freigegeben ist, stellt sich die nächste Frage:

Wen testen?

Uns allen muss klar sein, dass wir nicht diejenigen zuerst testen sollten, die zuerst "Ich" rufen, sondern diejenigen, die es aus medizinischen Gründen brauchen. Das Ergebnis eines solchen  Tests muss eine klare medizinische Entscheidung und Handlung zur Folge haben und nicht "bloß aus Interesse" erfolgen, auch wenn ich den Wunsch und die Ungeduld sehr gut verstehen kann.

Ergänzend noch die Stellungnahme der KV Hessen:

"Eine Testung ohne direkten zeitlichen Bezug zu einer klinischen COVID-19-Symptomatik beispielsweise zur Prüfung einer Immunität sollte nicht durchgeführt werden. Die Spezifität der Verfahren ist bei der niedrigen Prävalenz von SARS-CoV-2-Infektionen nicht ausreichend." (Quelle: KV Hessen)

Sonntag, 26.04.2020

Liebe Patienten,

in den letzten Wochen haben wir alle bewirkt, dass die Pandemie hervorragend eingedämmt wurde. Sie ist aber noch lange nicht vorbei, im Gegenteil: Nach Einschätzung von Virologen und Epidemiologen haben derzeit (wohl deutlich) unter 5% der Bevölkerung die Corona-Infektion durchgemacht.
Dies bedeutet, dass das erst der Anfang war. Der größte Anteil der Virusausbreitung liegt noch vor uns.
Während in den ersten Wochen im März eine teils unangebrachte Panik herrschte, zeigt sich momentan eine gewisse Tendenz zur Verharmlosung und Gedankenlosigkeit. Das ist insofern gefährlich, weil es den augenblicklichen Erfolg zunichtemachen kann. Auch meinen nicht qualifizierte „Prominente“ medienwirksam mitreden zu müssen. Das ist unangemessen und gefährlich. Bitte suchen Sie sich gut aus, wem Sie zuhören und bei wem Sie lieber wegschalten.

Gleichgewicht zwischen Pandemiemaßnahmen und wirtschaftlichem Überleben

Natürlich ist es nicht leicht, ein Gleichgewicht zu finden zwischen den Einschränkungen der eigenen Lebensweise zur Pandemieeindämmung und einer gewissen Normalisierung des Berufslebens, denn schließlich müssen wir alle von etwas leben. Mir geht es nicht anders, auch ich muss viele wirtschaftlich notwendige Praxisaktivitäten einschränken oder aussetzen, um meine Patienten und mein Team nicht zu gefährden.
Aber jeder, wirklich jeder Einzelne von uns trägt derzeit nun einmal Verantwortung für Menschenleben. Insofern sind wir alle gezwungen, unser Verhalten ausgewogen in einem Kompromiss so zu gestalten, dass sowohl die Pandemie zurückgedrängt als auch das eigene wirtschaftliche Überleben gesichert wird. Und das wird sich auch in den kommenden Monaten nicht ändern, insofern hilft es, sich geistig auf eine längerfristige Umstellung einzurichten.

Abstandsregelung und Gesichtsmasken

Neben der Abstandsregelung (1,5 bis 2 m) scheinen Gesichtsmasken momentan ein einfaches und zugleich hinreichend wirksames Hilfsmittel zu sein, daher empfiehlt sich das Tragen von Masken bei Kontakten in geschlossenen Räumen, dann aber bitte von allen Menschen ohne Ausnahme. (Hinweise des Gesundheitsministeriums)
Wer keine Maske trägt, sollte keinen Bus betreten und damit andere in Gefahr bringen!
Bitte beachten Sie bei der Verwendung der Maske aber auch, dass die äußere Seite als kontaminiert anzusehen ist: Diese ist nicht zu berühren. Wenn Sie die Maske unbedingt wegpacken müssen, dann nach Falten der äußeren Seite, so dass die kontaminierten Flächen aufeinander liegen.
In diesem Zusammenhang bedanke ich mich ganz herzlich bei all denen, die mir und anderen selbst genähte Masken zur Verfügung gestellt haben, so dass Patienten in der Praxis konsequent Masken tragen können.


Medizinische Erkenntnisse

Es gibt sehr viel Bewegung in der Forschung und Gewinnung neuer Erkenntnisse. Sobald es wirklich entscheidende Entwicklungen gibt, werde ich Sie informieren. Ich würde als nächstes erste Ergebnisse von Medikamenten gegen das Virus sowie die Anwendung von Antikörpertests in ausgewählten Fällen in Praxis und Klinik erwarten.

Samstag, 11.04.2020

Liebe Patienten,

hier der aktuelle Stand zur Corona-Pandemie in Deutschland.

Ausgangsbeschränkungen und Kontaktreduktion

Die Beschränkungen wirken sich sehr positiv aus. Die Anstiegsrate („Verdoppelungszeit“) der Infektionen ist auf die Hälfte gesunken. Andernfalls würden jetzt doppelt so viele Menschen auf der Intensivstation liegen. Unser Verzicht auf Kontakte sowie die Vorsichtsmaßnahmen haben sich also gelohnt.

Gefährdungsgrad durch COVID-19

Offenbar durchlaufen 80% aller Infizierten die Erkrankung ohne oder nur mit leichten Symptomen, also wie bei einer normalen Erkältung. Je älter der Mensch ist, desto höher ist das Risiko für eine bedrohliche Erkrankung (siehe Grafik), wobei ab dem 60. Lebensjahr ein deutlicher Anstieg des Risikos vorzuliegen scheint.

Testung auf Coronavirus in Deutschland

In Deutschland wird wirklich fleißig getestet („PCR-Test“, also direkter Virusnachweis, s. Tabelle), insbesondere im europäischen und internationalen Vergleich, und die Testkapazitäten werden noch ausgebaut. Erkrankte können so schneller erkannt und eine Ausbreitung früher verhindert werden. Es macht aber keinen Sinn, jeden Erkälteten zu testen, da dies die Kapazitäten überfordern würde.

Thema Antikörper-Tests


Darüber wird momentan viel gesprochen, dennoch ist der Einsatz in der täglichen Praxis aktuell noch zu früh:
1. Diese Tests müssen noch belegen, dass sie wirklich genau dieses Virus (SARS-CoV-2) nachweisen und nicht die harmlosen alljährlichen Coronaviren.
2. Sie müssen empfindlich genug sein. Momentan liegt die Erkennungsrate bei 90%, das genügt noch nicht (s. Grafik).
3. Wir wissen noch gar nicht, ob jemand immun ist, der solche Antikörper hat. Und falls ja, wissen wir auch nicht, für wie lange dieser Mensch sich nicht mit SARS-CoV-2 anstecken kann.
Vermutlich wird man in einem Monat mehr sagen können. Solche Tests wären sehr nützlich, um zu wissen, dass man sich nicht mehr anstecken kann, aber auch um zu wissen, ob medizinisches Personal immun ist und somit ein deutlich geringeres Risiko bei der Behandlung Infizierter hat. Siehe auch Stellungnahme der KV Hessen.

Smartphone-Apps zur Eindämmung der Pandemie: Datenspende und „PEPP PT“

Das RKI (Robert-Koch-Institut) hat soeben die App „Corona Datenspende“ herausgegeben, die in Verbindung mit bestimmten Fitness-Armbändern (s. Bild) Infektionsausbrüche erkennen soll, und zwar durch die Ermittlung eines erhöhten Pulses und andere Parameter. (App für iOS) (App für Android)
Noch wirksamer und daher wohl deutlich relevanter könnte aber eine App werden, die uns mitteilt, ob wir uns in der Nähe eines Infizierten aufgehalten haben und daher Zuhause bleiben sollten, um nicht weitere anzustecken. Dies soll über die Nutzung der Nahfeld-Bluetooth-Funktion des Smartphones geschehen. Nähere technische Details zum Projekt „PEPP PT“ (Pan-European Privacy-Preserving Proximity Tracing) finden Sie beim Fraunhofer-Institut. Ein Heise-Forum diskutiert die Sicherheitsaspekte mit Linus Neumann vom Chaos Computer Club.

Dienstag, 24.03.2020

Liebe Patienten,

ganz herzlichen Dank für die hervorragende Mitarbeit, möglichst all Ihre Anliegen auch ohne einen persönlichen Kontakt erledigen zu können! Sie retten damit indirekt Leben, denn dann verläuft die Pandemie langsamer, und somit sind mehr Versorgungsmöglichkeiten im Krankenhaus frei.
Wir haben außerdem unseren geplanten Urlaub vom 14.04. bis 18.04.2020 gestrichen und sind also dann für Sie da.

Samstag, 21.03.2020

Übertragungswege von Corona

Das Virus wird hauptsächlich über kleine Tröpfchen der Ausatemluft (vor allem beim Husten und Niesen) direkt von einem Menschen zum anderen übertragen. Ob eine Übertragung über Gegenstände möglich ist, ist noch nicht bekannt (s.a. NIH: Corona on surfaces). (Quelle: CDC)

Virus loswerden: Hände waschen

Nach Aufenthalt in der Öffentlichkeit waschen Sie Ihre Hände bitte mindestens 20 Sekunden. Vermeiden Sie es, Ihre Augen, Nase und Mund mit ungewaschenen Händen zu berühren.
Von anderen Menschen halten Sie einen Abstand von 1,5-2 Metern, um eine Übertragung von Viren zu vermeiden.

Zuhause bleiben

Verlassen Sie das Haus nur für das Nötigste, also primär zur Besorgung von Lebensmitteln. Wenn Home-Office möglich ist, dann sollte es auch unbedingt genutzt werden. Würden wir alle die nächsten 14 Tage wirklich strikt Zuhause bleiben, dann wäre die Epidemie stark zurückgedrängt oder sogar beendet - so wie in China, möglicherweise auch schon in Korea.

Krank? Zuhause bleiben und sich schonen.

Gerade jetzt ist es entscheidend, konsequent Zuhause zu bleiben, wenn Sie krank sind - unabhängig davon, ob es eine Corona-Infektion ist oder nicht: In diesen Tagen und Wochen sollten Sie so rasch wie möglich wieder gesund werden und ein starkes Immunsystem haben. Tun Sie es bitte für sich, aber auch für andere.