Informationen zur Verbreitung des Corona-Virus

Mittwoch, 21.04.2021
AstraZeneca: Mein letzter Kommentar.

Liebe Patienten,

ich bedauere sehr, dass die unausgewogene mediale Berichterstattung zum Impfstoff von AstraZeneca so viele Menschen verunsichert, ja sogar verängstigt hat. Und ich kann sie alle sogar gut verstehen. Man hört nur noch Angst einflößende Botschaften ohne einen einbettenden Kommentar, der die Risiken ins Verhältnis zum Nutzen setzt oder vernünftig mit den Risiken anderer Impfstoffe, aber auch dem Risiko des Nichtimpfens vergleicht.

Diese Berichterstattung wird dazu führen, dass viele Menschen, möglicherweise Millionen, später geimpft werden, als das eigentlich möglich gewesen wäre. Das wiederum bedeutet, dass sich in der Zwischenzeit viele, aktuell wöchentlich etwa 100.000 Menschen, mit COVID-19 infizieren, zu 10 % langfristige Schäden bekommen ("Long-COVID") und in 1-2 % versterben. Desinformation kostet Gesundheit und sogar Menschenleben.

Deshalb möchte ich hier an dieser Stelle ein letztes Mal Risiko und Nutzen einander gegenüberstellen. Die Universität Cambridge hat es grafisch anschaulich dargestellt (s. Abbildungen, von mir mit deutschsprachigen Bezeichnungen versehen): 

Die Punkte auf der linken Seite zeigen, bei wie vielen Menschen von 100.000 dank der Impfung mit AstraZeneca eine Aufnahme auf die Intensivstation vermieden wurde, weil die Impfung den Körper vor einem schweren Verlauf geschützt hat.
Die Punkte auf der rechten Seite zeigen, bei wie vielen Menschen von 100.000 infolge der Impfung eine schwere Nebenwirkung aufgetreten ist.

Selbst bei wenigen Coronainfektionen im Land, also einer geringen Inzidenz, zeigt sich auf der ersten Abbildung, dass bei Menschen über 60 Jahren die Impfung einen 70fach höheren Nutzen als ein Risiko hat (die Anzahl verhinderter Aufnahmen auf Intensivstation ist 70mal höher als die Anzahl von schweren Nebenwirkungen). Erst ab einem Alter von kleiner 30 Jahren ist der potenzielle Schaden größer als der Nutzen durch die Impfung. Dies ist auch der Grund, warum in Großbritannien der Impfstoff von AstraZeneca nicht mehr an Menschen unter 30 Jahre verimpft wird, jedoch an alle anderen Menschen über 30 Jahre.

Bei einer hohen Infektionszahl, also hohen Inzidenzen (s. Abbildung 3), ist der Unterschied noch viel extremer: Der Nutzen ist bei über 60jährigen 600 mal höher als der Schaden. Die Impfung bewahrt also 600 Menschen davor, auf die Intensivstation zu müssen, bevor demgegenüber eine einzelne Person einen schweren Schaden nimmt.

Umgekehrt formuliert: Wenn ich als Arzt entscheiden würde, über 60jährige nicht mit AstraZeneca zu impfen, dann bewahre ich vielleicht einen Menschen vor einer schweren Nebenwirkung, schicke aber 600 Menschen auf die Intensivstation, von denen eine sehr hohe Anzahl stirbt und sehr wahrscheinlich alle Erkrankten dauerhafte Schäden davontragen. Wäre das ethisch und vernünftig?

In Deutschland haben wir eine mittelhohe Inzidenz (entspricht etwa Abbildung 2). Selbst hier ist der Nutzen der Impfung viel größer als der Nachteil, und das auch bei Menschen unter 60 Jahren.

Konzentriert man sich auf das, was wirklich darüber entscheidet, ob uns etwas zustößt oder nicht, also auf die Fakten, dann ist der Nutzen der Impfung von AstraZeneca für Menschen über 60 Jahren ganz sicher gegeben, und eigentlich auch schon für Jüngere. Ob wir Angst vor der Impfung haben oder nicht, ist dem Virus egal. Nur die Impfung kann das Virus abhalten.

Auch die anderen Impfstoffe sind nicht perfekt. Spätestens ab dem 60. Lebensjahr gibt es keine relevanten Unterschiede mehr zwischen den Impfstoffen bezüglich der Nebenwirkungen. Wer einen Impftermin absagt, kann nur verlieren.

Ich hoffe, dass ich Unentschiedenen hiermit helfen kann und verhindere, dass sich jemand mit COVID-19 infiziert und einen Schaden nimmt, weil er oder sie vor lauter Angst lieber mit dem Impfen warten wollte.

Ausführlich und gut verständlich wird dieses Thema im NDR Podcast "Coronavirus-Update" in Folge 85 mit Prof. Ciesek, Virologin der Universität Frankfurt, behandelt (im Wechsel mit Prof. Drosten).

Sonntag, 18.04.2021
Nebenwirkungen von COVID-19-Impfungen: Die Fakten.

Liebe Patienten,

geht es nach der medialen Berichterstattung, dann ist der "eine" Impfstoff gefährlich und der "andere" fehlerfrei. So ist das nicht. Daher hier eine Klarstellung, basierend auf dem Sicherheitsbericht des Paul-Ehrlich-Instituts (PEI) vom 09.04.2021 (Update alle 1-4 Wochen). Das PEI ist verantwortlich für die Überwachung der Sicherheit von Impfstoffen.

Sinusvenenthrombosen

Bei Menschen über 60 Jahren gab es nach einer Impfung mit Biontech/Pfizer 5 Fälle, mit AstraZeneca 2 Fälle von Sinusvenenthrombosen (bis 02.04.). Berücksichtigt man, dass Biontech dreimal häufiger als AstraZeneca verimpft wurde (s. erste Abbildung), ergibt sich etwa die gleiche Häufigkeit von Sinusvenenthrombosen bei Biontech und bei AstraZeneca. Die Häufigkeit (ca. 1 : 1.000.000) ist nicht größer als die bei Nicht-Geimpften, so dass kein Zusammenhang zur Impfung zu erwarten ist. Zum heutigen Datum sind natürlich noch mehr Fälle hinzugekommen, jedoch hat sich das Verhältnis nicht entscheidend verändert.

Fazit: Bei Menschen über 60 Jahren stellt eine COVID-19-Impfung mit Biontech oder AstraZeneca kein erhöhtes Risiko für Sinusvenenthrombosen dar. Dies ist die Einschätzung der Ständigen Impfkommision, des Paul-Ehrlich-Instituts, des Robert-Koch-Instituts und der Europäischen Zulassungsbehörde. 

Im Unterschied dazu lag die Häufigkeit bei Frauen unter 60 Jahren etwa zehnmal höher bei ca. 1 : 100.000, weshalb Menschen unter 60 Jahren (zu Recht) vorläufig nur noch mit Biontech/Pfizer oder Moderna geimpft werden sollen.

Zur Erinnerung: Das Risiko eines tödlichen Verlaufs von COVID-19 bei Menschen unter 35 Jahren liegt bei 1 : 10.000. COVID-19 bleibt also auch bei jungen Menschen gefährlicher als jedes Risiko durch Impfungen. Nicht zu vergessen sind langfristige Leistungseinschränkungen nach COVID-19-Infektion in 1 : 10 Fällen ("Long-COVID").

Allergische Reaktionen

Bei 10.700.000 Impfungen mit Biontech traten 87 schwere allergische Reaktionen auf ("Anaphylaxien"), bei 2.945.000 Impfungen mit AstraZeneca 14 schwere allergische Reaktionen. Auf die Anzahl der Impfungen bezogen traten somit bei Biontech doppelt so häufig Anaphylaxien auf als bei AstraZeneca.

Für einen "fairen" Blick auf die drei zugelassenen Impfungen schauen Sie gern auch auf die dritte Abbildung (Comirnaty = Biontech). Diese zeigt: Jeder einzelne Impfstoff hat seine schwachen Seiten, ist aber immer viel besser als die Krankheit selbst.

Impfreaktionen

Nach einer Impfung mit AstraZeneca finden sich häufiger grippeähnliche Symptome als bei Biontech/Pfizer, dafür finden sich bei Biontech/Pfizer häufiger Schmerzen an der Impfstelle sowie Ermüdung als bei AstraZeneca.

Aus ärztliche Perspektive sind die Unterschiede (siehe Abbildung 2) irrelevant angesichts des hohen Gesundheitsrisikos durch eine COVID-19-Erkrankung. Man erinnere sich bitte daran, dass das Sterberisiko an COVID-19 für Menschen über 60 Jahre bei 1:28 liegt, insofern sind die oben genannten Häufigkeiten von Nebenwirkungen entsprechend einzuordnen.

Sie dürfen nach einer Impfung mit Vaxzevria (AstraZeneca) bei Auftreten von z.B. stärkeren Gliederschmerzen ein Schmerzmittel einnehmen. Nur eine vorbeugende Einnahme ist nicht zu empfehlen.

Zusammenfassung:

Die Impfung mit AstraZeneca ("Vaxzevria") beschert etwas häufiger grippeartige Symptome, dafür treten deutlich weniger allergische Reaktionen auf als bei Biontech (etwa halb so viele). Bei Menschen über 60 Jahren bestehen ansonsten keine relevanten Unterschiede zwischen den zwei Impfstoffen bezüglich Nebenwirkungen, insbesondere nicht bezüglich Thrombosen.

Mittwoch, 31.03.2021
AstraZeneca: Was ist da los?

Liebe Patienten,
 
die Verwirrung und Beunruhigung bezüglich des Impfstoffs AstraZeneca kann ich sehr gut verstehen. Daher in Kürze ein paar Antworten.
 
Warum war der Impfstoff zu Beginn gerade für Ältere nicht zugelassen?
 
Zu dem Zeitpunkt (Januar 2021) waren die Daten von älteren Menschen in der Studie noch nicht ausreichend für eine Beurteilung der Wirksamkeit, daher gab es nur eine Zulassung für Patienten unter 65 Jahren.
 
Warum gab es immer wieder neue Zahlen zur Wirksamkeit?
 
Wir alle erleben Forschung live. Es ist ganz normal, dass ständig neue Daten analysiert werden, und das braucht Zeit. Es entsteht das Bild eines scheinbaren Chaos durch die übertriebene und schrille Darstellung in den Medien, und das ist nicht gut. Die Wirksamkeit hingegen ist sehr gut (siehe mein Artikel dazu).
 
Was ist mit den Häufungen von Hirnvenenthrombosen?
 
Wenn viele Millionen Menschen beobachtet werden, dann werden ganz viele Krankheiten und Todesfälle beobachtet. Das gehört zum täglichen Leben, es ist nur im Gedächtnis von Nicht-Medizinern vielleicht nicht so präsent.
Die eigentliche Frage ist hingegen, ob ein ursächlicher Zusammenhang zum Impfstoff besteht oder nicht.
Deutschland ist der Meinung, dass die Häufungen so stark sind, dass eine Einschränkung der Zulassung (jetzt nur ab 60 Jahre) erforderlich ist, bis die Frage der Ursächlichkeit genauer untersucht ist.
England hingegen beobachtet deutlich weniger Hirnvenenthrombosen und hat daher keine Veränderung in der Zulassung vorgenommen.
 
Was stimmt denn jetzt? Verursacht die Impfung Hirnvenenthrombosen?
 
Das ist unbekannt und wird untersucht. Es gibt ein vorläufiges Erklärungsmodell, das von einem, einfach gesagt, „allergischen“ Vorgang ausgeht: Es werden Antikörper gebildet, die die Blutplättchen dazu veranlassen, sich zu verklumpen, wodurch eine Thrombose entsteht (Greinacher et al).
Durch welchen Bestandteil der Impfung genau diese „Allergie“ ausgelöst wird, ist noch unklar. Es kann ein Bestandteil des „Transporters“ (Vektors), also des Adenovirus sein, das den eigentlichen Wirkstoff der Impfung in den Körper bringt. In dem Fall wäre entweder nur der Impfstoff von AstraZeneca betroffen oder aber alle Adenovirus-Impfstoffe (also auch „Sputnik“ und „Johnson & Johnson“).
Wenn aber das Spike-Protein, also der Wirkstoff der Impfung selbst die Ursache darstellt, dann wären alle derzeit zugelassenen Impfstoffe betroffen, also auch Biontech und Moderna. Allerdings wird das Spike-Protein bei der Corona-Infektion natürlich in unvergleichlich größerer Menge in den Körper freigesetzt, und das überall und nicht bl0ß im Oberarm.
 
Wie ist das Risiko einzuschätzen?
 
Bislang gibt es 31 Verdachtsfälle von Hirnvenenthrombosen bei 2,8 Millionen in Deutschland mit AstraZeneca geimpften Menschen (RKI-Statistik).
Das ist also 1 Verdachtsfall auf ca. 90.000 Geimpfte.
Dem stehen 76.000 Corona-Todesfälle bei 2,8 Millionen in Deutschland Infizierten gegenüber.
Das sind also 2443 Corona-Tote auf 90.000 Infizierte.
 
Sprich, altersunabhängig hat man ein 2443 mal höheres Risiko, an Corona zu versterben, als durch die Impfung eine Hirnvenenthrombose zu erleiden – wenn sie denn wirklich durch die Impfung verursacht ist.
Je älter man ist, desto höher ist das Risiko durch Corona und umso niedriger ist es durch eine (bislang nur vermutete) Gefährdung infolge der Impfung.
Corona ist also unvergleichlich gefährlicher als die Impfung. Und wird sind noch nicht am Ende der Pandemie angelangt. Alle, die noch nicht geimpft sind, können sich daher noch infizieren und entweder daran sterben, oder, was noch viel häufiger vorkommt als der Tod, einen bleibenden Schaden durch die Infektion erleiden (Long-COVID bei bis zu 10% der Fälle, Übersichtsarbeit).
 
Was also tun? Warten auf einen anderen Impfstoff?
 
Für jüngere Menschen gibt es andere Impfstoffe als AstraZeneca. Wir wissen allerdings nicht, ob diese anderen Impfstoffe möglicherweise auch (sehr seltene) Probleme verursachen, die wir einfach noch nicht kennen. Gäbe es auf der ganzen Welt nur den Impfstoff von AstraZeneca, wäre es ganz einfach: Unbedingt impfen! Corona ist, stark vereinfacht, mindestens 2443 mal schlimmer, und das ist untertrieben durch Weglassen der Gesundheitsfolgen durch COVID-19.
Solange es aber andere Impfstoffe gibt, wird sich immer die Frage stellen: Warten auf einen anderen Impfstoff? Warten hieße aber, nicht geimpft zu sein und in der Zwischenzeit zu riskieren, sich mit Corona zu infizieren. Und das wäre, wie erläutert, deutlich gefährlicher, insbesondere je älter der betroffene Mensch ist. Genau deshalb empfiehlt das RKI eine Impfung ab 60 Jahren, weil das Risiko einer Hirnvenenthrombose dann deutlich geringer, hingegen das Risiko durch Corona deutlich höher ist.
 
Fazit
 
Warten wir also auf die wissenschaftlichen Erkenntnisse der nächsten Wochen. Bis dahin bleibt AstraZeneca für jüngere Menschen ausgesetzt. Ich empfehle aber dringend, keine vorschnellen Schlüsse zu ziehen und einen sehr guten Impfstoff für schlecht oder gar gefährlich zu erklären, ohne dass ausreichende Daten vorliegen.
Bleiben wir also besser sachlich und ruhig. Lassen wir uns durch die Medien nicht zu Extremen hinziehen.
Ich werde berichten.

Samstag, 27.03.2021
Corona-Impfung in der Praxis

Liebe Patienten,
 
wir werden voraussichtlich ab dem 07.04. in unserer Praxis mit den Impfungen gegen Corona beginnen.
 
Sie brauchen sich nicht zu melden: Wir rufen Sie an und vereinbaren einen Termin zur Impfung. Zunächst werden ausschließlich Patienten über 80 Jahre geimpft.
 
Impfreihenfolge:
 
Es erfolgt eine Priorisierung nach dem Risiko, eine schwere, lebensbedrohliche COVID-Erkrankung zu erleiden. Ab dem 60. Lebensjahr aufwärts wird an erster Stelle nach dem Alter priorisiert, entsprechend der Risikoeinschätzung des Robert-Koch-Instituts, Epidemiologisches Bulletin, Nr. 2, 2021: „Daher wird angenommen, dass für jüngere Menschen (< 60 Jahre) auch bei Vorliegen einer Vorerkrankung die Wahrscheinlichkeit an COVID-19 zu sterben deutlich niedriger ist als bei älteren Menschen, unabhängig davon, ob sie vorerkrankt sind oder nicht.“
 
Zweiter Sortierungsfaktor der Dringlichkeit sind die Vorerkrankungen, die nach den Angaben des RKI (s. Tabelle, Quelle wie oben) eine Priorisierung bedingen. Die angegebene Risikosteigerung infolge Vorerkrankung wird in das Gesamtrisiko (Alter und Vorerkrankung) einkalkuliert.
 
Dieses (für mich aufwendige) Vorgehen gewährleistet, dass die am stärksten gefährdeten Menschen zuerst geimpft werden.
 
Wer 60-80 Jahre alt ist, kann sich gern unter corona(at)praxis-dr-lahdo.de melden. Wir möchten gern wissen: Wurden Sie schon geimpft oder haben schon einen Termin im Impfzentrum? Falls nicht, möchten Sie bei uns geimpft werden?
 
Patienten unter 60 Jahre möchten bitte noch warten, bis wir Sie auf dieser Homepage zum Handeln auffordern. 

Bei Fragen speziell zu diesem Thema melden Sie sich bitte nur unter der o.g. Email und nicht telefonisch, da sonst möglicherweise der Praxisbetrieb lahmgelegt wird.
 
Wir impfen ausschließlich Patienten, die bereits in unserer Praxis bekannt sind. Andere Patienten verweisen wir höflich auf den eigenen Hausarzt oder das Impfzentrum.
 
Formulare für die Impfung

Bitte bringen Sie, wenn möglich, folgende Formulare ausgefüllt zur Impfung mit:
- Biontech/Pfizer und Moderna (mRNA-Impfstoffe): AufklärungsmerkblattEinwillingungsbogenandere Sprachen
- Astra Zeneca und Johnson&Johnson (Vektor-Impfstoffe): AufklärungsmerkblattEinwilligungsbogen

Donnerstag, 18.03.2021
EMA: Nutzen der AstraZeneca-Impfung überwiegt die Nachteile

Liebe Patienten,
 
die EMA (europäische Zulassungsbehörde für Medikamente) hat heute wie folgt Stellung genommen:

- Der Nutzen der Corona-Impfung von AstraZeneca überwiegt mögliche Nebenwirkungen.
- Die Impfung führt nicht zu einem Anstieg des Risikos für Thrombosen im Allgemeinen.
- Es gibt keinen Hinweis auf Probleme mit einzelnen Chargen (Produktionseinheiten).
- Es ist möglich, dass ein Zusammenhang zwischen der Impfung und extrem seltenen Gerinnselbildungen von Hirnvenen besteht.

Der zuletzt genannte Punkt muss also weiter beobachtet und bewertet werden. Das Paul-Ehrlich-Institut bestimmt darüber, ob in Deutschland wieder mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft werden kann. Eine Stellungnahme wird kommende Woche erwartet, möglicherweise wird aber bereits ab morgen wieder mit dem Impfstoff von AstraZeneca geimpft.


Montag, 15.03.2021
Kommentar zu fraglichen Auffälligkeiten beim Impfstoff von AstraZeneca

Liebe Patienten,
 
derzeit besteht in den Medien viel Verwirrung und Unsicherheit bezüglich des Corona-Impfstoffs von AstraZeneca. Daher hier der aktuelle Sachstand.
 
Das Paul-Ehrlich-Institut (PEI) ist in Deutschland für die Überwachung der Sicherheit von Impfstoffen verantwortlich.
 
Das PEI meldet heute zur aktuellen Situation: Es wird eine „Häufung einer speziellen Form von sehr seltenen Hirnvenenthrombosen […] mit einem Mangel an Blutplättchen […] in zeitlicher Nähe zu Impfungen mit dem COVID-19-Impfstoff AstraZeneca“ beobachtet.
Das PEI empfiehlt eine ärztliche Vorstellung, wenn Geimpfte sich „mehr als vier Tage nach der Impfung zunehmend unwohl fühlen – z.B. mit starken und anhaltenden Kopfschmerzen oder punktförmigen Hautblutungen.
 
Es lässt sich nicht sagen, ob ein ursächlicher Zusammenhang zur Impfung besteht, grundsätzlich erscheint das allerdings sehr unwahrscheinlich.

Auch die Häufigkeit derartiger Ereignisse lässt eher nicht an einen Zusammenhang denken. Dazu das PEI vor vier Tagen: Es lagen „30 Fälle von thromboembolischen Ereignissen bei mehr als 5 Millionen mit dem AstraZeneca-Impfstoff geimpften Personen“ vor. „Diese Anzahl ist nicht höher als die Zahl der thromboembolischen Ereignisse, die statistisch zufällig in der exponierten Bevölkerung auch ohne Impfung vorkommen würden“.

Zusammenfassung:

Es gibt Auffälligkeiten, die sich noch nicht sicher einordnen lassen. Diese sind sehr selten und zahlenmäßig wahrscheinlich nicht häufiger als bei Nicht-Geimpften (30 von 5 Millionen). Eine erhöhte Aufmerksamkeit ist sicherlich gerechtfertigt. Dennoch freuen wir alle uns, wenn sich die Bedenken bei diesen doch sehr seltenen Ereignissen wieder in Luft auflösen.

Sonntag, 14.03.2021
Impfstoff Johnson & Johnson "Ad26.CoV.S"


Liebe Patienten,
 
mit „Ad26.CoV.S“ ist ein weiterer Impfstoff in der EU zugelassen (CDC Weekly vom 05.03.2021).
 
Zusammenfassung:

Auch hier handelt es sich – wie beim AstraZeneca-Impfstoff – um einen Vektorimpfstoff mit einem Adenovirus als Träger, der mit dem Spike-Protein des Coronavirus „programmiert“ ist.
Es wurden Daten von 2.650 von 43.783 Probanden ausgewertet. In der Placebogruppe traten 50 COVID-Fälle auf, in der Verumgruppe (echter Impfstoff) 18 Fälle, so dass sich eine Wirksamkeit von 66% ergibt.
Gegenüber schweren Verläufen wurde eine Wirksamkeit von 82%, bezüglich Klinikaufnahmen 100% erreicht.
Fieber als Impfreaktion trat bei 9% der Geimpften auf. Impfnebenwirkungen waren minimal und mit denen der anderen Impfstoffe vergleichbar, schwere Fälle lagen mit 0,4% sowohl beim Impfstoff als auch beim Placebo gleichauf.

Bewertung:


Die Auswertung ist noch nicht vollständig, es gibt noch keine wissenschaftliche Publikation zur Phase-III-Studie. Dennoch sind die Daten so gut, dass eine Zulassung berechtigterweise sowohl in den USA (FDA) als auch in Europa (EMA) erfolgte. Vorteil der Impfung ist, dass sie nur einmalig verabreicht wird.
Mit jedem zusätzlich zugelassenen wirksamen Impfstoff können wir einen größeren Anteil der Bevölkerung schneller schützen und umso rascher zu einem „normalen Leben“ zurückkehren.


Samstag, 06.03.2021
Mehr Sicherheit für Sie: Praxispersonal geimpft

Liebe Patienten,
 
heute wurde das medizinische Personal der Praxis, mich eingeschlossen, mit dem AstraZeneca-Impfstoff gegen Corona geimpft. Das bedeutet mehr Sicherheit für Sie: Eine Ansteckung von Patienten durch das Praxispersonal wird damit äußerst unwahrscheinlich, zumal wir natürlich weiterhin alle Hygieneregeln beibehalten.

Donnerstag, 25.02.2021
Wirksamkeit des Impfstoffs ChAdOx1 (AstraZeneca) abhängig vom Impfabstand

Liebe Patienten,
 
es gibt nun wichtige zusätzliche Ergebnisse zum o.g. Impfstoff (Originalarbeit Lancet, 19.02.2021).

 
Zusammenfassung:

Es wurden Daten von 17178 Probanden ausgewertet. Davon wurden 8597 Personen mit ChAdOx1 geimpft. In der Gruppe der Geimpften musste kein einziger Patient wegen einer COVID-19-Infektion in die Klinik aufgenommen werden.
Bei einem Impfabstand von 12 Wochen ergab sich eine bessere Wirksamkeit des Impfstoffs von 81% als bei einem Impfabstand von < 6 Wochen (55%) (Verabreichung der Standard-Volldosis). 
Das Diagramm zeigt, dass die Impfwirksamkeit (y-Achse) mit dem Impfabstand (x-Achse) offenbar immer weiter steigt (rote Punkte).

Bewertung:

Der Impfstoff ChAdOx1 von AstraZeneca schützt exzellent vor schweren Verläufen von COVID-19. Die Wirksamkeit ist bei einem Impfabstand von 12 Wochen mit 81% sehr gut, so dass der Impfstoff für 18-55jährige ausgezeichnet geeignet ist.

Zusätzliche Bemerkung:

Ein Impfstoff gegen COVID-19 soll nicht vor einem harmlosen Corona-Schnupfen, sondern vor einem bedrohlichen COVID-19-Verlauf schützen. Insofern ist der Unterschied in der Wirksamkeit zu den mRNA-Impfstoffen von Biontech/Pfizer und Moderna nur bei besonderen Patienten von Bedeutung.

Samstag, 06.02.2021
Corona-Impfstoffstudie des Gamaleya-Instituts, Impfstoff „Sputnik V“

Liebe Patienten,
 
es liegt eine Zwischenauswertung o.g. Phase-III-Studie vor, publiziert am 02.02.2021 (Originalarbeit).

 
Zusammenfassung:

- Daten von 19.866 Probanden wurden ausgewertet. 75% erhielten den COVID-Impfstoff „Sputnik V“, 25% erhielten ein Placebo.
- Es wurden zwei Dosen im Abstand von 21 Tagen verabreicht.
- Es wurden 78 COVID-Infektionen beobachtet, davon 16 unter den mit Sputnik V Geimpften und 62 in der Placebo-Gruppe.
- Daraus ergibt sich eine Wirksamkeit des Impfstoffs von 92%.
- 11% der Probanden waren über 60 Jahre alt. Mindestalter war 18 Jahre.
- Es traten 20 mittelschwere bis schwere COVID-Fälle auf, die sämtlich in der Placebo-Gruppe auftraten.
- Die Impfreaktion bestand in grippeartigem Krankheitsgefühl, lokaler Hautreaktion, Kopfschmerzen und Abgeschlagenheit.
- Nebenwirkungen waren selten und gleich häufig bei Impfung und Placebo (0,6%), Todesfälle traten ebenfalls in beiden Gruppen gleich häufig auf (<0,1%). 

Bewertung:

Die Daten sehen sehr gut aus: Die Wirksamkeit ist exzellent, die Verträglichkeit ausgezeichnet.
Dennoch: In einem Land wie Russland kann eine politische Einflussnahme auf Wissenschaftler nicht ausgeschlossen werden. Sämtliche Untersuchungen fanden leider nur in der Stadt Moskau statt (zum Vergleich: AstraZeneca untersuchte in vielen Städten Großbritanniens, Südafrikas und Brasiliens). Diesbezüglich ist für mich die Einschätzung der EMA (Europäische Zulassungsbehörde für Medikamente) ausschlaggebend.
Vom Wirkprinzip und Studiendesign her ist das o.g. Ergebnis aber durchaus realistisch. Trotzdem wären Daten aus Ländern mit verlässlichen Medien hilfreich, um Vertrauen zu schaffen. Einmal mehr zeigt sich, wie wichtig es auch in nicht-politischen Fragen ist, in einem freiheitlichen Rechtsstaat zu leben.

Samstag, 30.01.2021
Corona-Impfstoff von Oxford/AstraZeneca: ChAdOx1 (AZD1222)

Liebe Patienten,
 
es liegt eine Zwischenauswertung o.g. Studie vor, publiziert am 09.01.2021 (Originalarbeit). Da die Ergebnisse etwas komplexer sind, habe ich diese in eine Kurzversion und einen Detailabschnitt unterteilt.
 
Kurzversion:

- 11.636 Probanden wurden ausgewertet, eine Hälfte erhielt den COVID-Impfstoff ChAdOx1, die andere Hälfte nicht.
- Es wurden 98 COVID-19-Infektionen beobachtet, davon 27 unter den mit ChAdOx1 geimpften und 71 in der nicht damit geimpften Gruppe.
- Daraus ergibt sich eine Wirksamkeit des Impfstoffs von 62%.
- 10 COVID-Fälle mussten in die Klinik aufgenommen werden. Zwei davon verliefen schwer, einer tödlich. Alle 10 Fälle waren in der Gruppe, die nicht gegen COVID geimpft wurden.
- Die Nebenwirkungen der Impfung waren vergleichbar mit denen anderer gängiger Impfungen. Erwähnt werden sollte eine einzelne allergische Reaktion (Anaphylaxie) in der Studie.
 
Zusammenfassung:

Die Wirksamkeit des COVID-Impfstoffs ChAdOx1 scheint schlechter zu sein als die der mRNA-Impfstoffe von Biontech/Pfizer und Moderna, auch wenn die Wirksamkeit der Standarddosis von 62% die WHO-Anforderung (> 50%) erfüllt.
Ein mäßig wirksamer Impfstoff ist besser als gar kein Impfstoff, insbesondere wenn der vorliegende Impfstoff offenbar Klinikaufnahmen und Todesfälle verhindern kann. ChAdOx1 erfüllt also seinen Zweck.
Die endgültigen Ergebnisse sind noch abzuwarten. Bis dahin ist dieser Impfstoff meiner Einschätzung nach bei 18-55jährigen einsetzbar, aber eher 2. Wahl im Vergleich zu den mRNA-Impfstoffen. Wie häufig er tatsächlich zum Einsatz kommen wird, hängt davon ab, welche anderen Impfstoffe zur Verfügung stehen werden, und wie gut die Wirksamkeit dieser sein wird.

Details für Interessierte

Ergebnisse:

- 23.848 Versuchspersonen wurden eingeschlossen, aber ausgewertet wurden aktuell nur die Ergebnisse von 11.636 Teilnehmern.
- Die eine Hälfte der Probanden erhielt den COVID-19-Impfstoff ChAdOx1, die andere Hälfte hingegen entweder einen Impfstoff gegen Meningitis (Hirnhautentzündung, Serotypen ACWY) oder ein Placebo.
- Unabsichtlich erhielt ein Teil der Probanden bei der ersten Impfung nur die halbe Dosis (im Folgenden „Niedrigdosis-Gruppe“, 2.741 Probanden), der Großteil der Probanden hingegen die volle Dosis (im Folgenden „Standarddosis-Gruppe“)
- In der Standarddosis-Gruppe gab des 98 Fälle von COVID-19, davon 27 in der Gruppe mit dem Impfstoff ChAdOx1, hingegen 71 in der Vergleichsgruppe. Somit ergibt sich in der Standarddosis-Gruppe eine Wirksamkeit des Impfstoffs von 62%.
- In der Niedrigdosis-Gruppe gab es 33 Fälle von COVID-19, davon 3 in der Gruppe mit dem Impfstoff ChAdOd1, hingegen 30 in der Vergleichsgruppe. Somit ergibt sich in der Niedrigdosis-Gruppe eine Wirksamkeit des Impfstoffs von 90%.
- Unter allen ausgewerteten Fällen gab es 10 COVID-19-Fälle, die in die Klinik aufgenommen werden mussten. Zwei Fälle waren schwer, ein Fall verlief tödlich. Alle 10 Fälle traten in der Vergleichsgruppe ohne den COVID-Impfstoff ChAdOx1 auf.
 
Nebenwirkungen:

- Leider gibt es (noch) keine detaillierte Aufstellung der Häufigkeit typischer Impfreaktionen (Armschmerzen, Gliederschmerzen, Fieber etc.).
- Nebenwirkungen in der Gruppe mit dem COVID-Impfstoff ChAdOx1 sind vergleichbar mit denen der Vergleichsgruppe: nach Organklassen sortiert finden sich 84 gegenüber 91 Fällen mit Nebenwirkungen, nach Nebenwirkungen mit besonderer Bedeutung sortiert finden sich 95 gegenüber 126 Fällen.
- Zusammenfassend liegen zahlenmäßig weniger Fälle mit Nebenwirkungen in der Gruppe mit dem COVID-Impfstoff vor. Hervorzuheben ist eine einzelne allergische Reaktion (Anaphylaxie) auf ChAdOx1 unter 12.021 Geimpften.
 
Kritik:

- 88% der ausgewerteten Fälle waren 18-55 Jahre alt. In der Analyse selbst heißt es ganz klar, dass eine Aussage über die Wirksamkeit des Impfstoffs bei älteren Menschen mit den vorliegenden unvollständigen Daten noch nicht möglich ist. Somit halte ich die Position der STIKO für gut begründet, den Impfstoff für Ältere derzeit (noch) nicht zuzulassen.
- Bei 2741 Teilnehmern erfolgte die Verabreichung der zwei Dosen im Durchschnitt mit 69 Tagen Abstand statt mit geplanten 28 Tagen.
- Es ist nicht ganz klar, warum die Wirksamkeit mit der niedrigeren Dosis besser zu sein scheint als mit der Standarddosis. Zur Erläuterung muss man den Wirkmechanismus kennen. Der Impfstoff besteht aus einem Schimpansen-Erkältungsvirus (ChAd1), welches die genetische Information des Spike-Proteins von SARS-CoV-2 transportiert. Normalerweise kennt unser Immunsystem dieses Virus nicht. Sobald es dieses Erkältungsvirus bei der Impfung aber nun erstmals „sieht“, bildet es Antikörper dagegen. Eine Erklärung von Immunologen lautet nun, dass bei einer niedrigen ersten Dosis weniger Antikörper gegen Schimpansen-Adenovirus ChAd1 gebildet werden, so dass bei Verabreichung der zweiten Dosis nicht ganz so viele vom Immunsystem nun als fremdartig erkannte Schimpansen-Adenoviren zerstört werden und damit die zweite Dosis besser wirken kann, als wenn bei Standarddosis mehr Antikörper provoziert werden und somit bei der zweiten Verabreichung mehr Adenoviren sofort vom Immunsystem zerstört werden, bevor die Impfung wirken kann. Genau aus diesem Grund kooperiert die Firma AstaZeneca nun mit dem russischen Gamaleya-Institut, das zur Vermeidung dieses nachteiligen Effekts bei der ersten Dosis ein anderes Trägervirus verwendet (Ad26) als bei der zweiten Dosis (Ad5).
- AstraZeneca hat die Daten der Gruppen mit halber Dosis und Standarddosis des Impfstoffs zusammengelegt und daraus eine Wirksamkeit von 70% errechnet. Da jedoch Patienten entweder die halbe oder die ganze Dosis, aber keine Zwischendosis erhielten, halte ich eine solche Zusammenlegung von Daten für fragwürdig.

Mittwoch, 13.01.2021
Eine Impfung gegen Corona lohnt sich für jeden

Liebe Patienten,
 
wenn wir nachdenken, ob wir uns impfen sollen, spielen diese Fragen die entscheidende Rolle:
 
- Was passiert, wenn ich mich impfe? Genauer gesagt, welche Risiken bringt die Impfung mit sich?
- Was passiert, wenn ich mich NICHT impfe? Genauer gesagt, welches Risiko geht von der Erkrankung selbst aus?
 
Wir betrachten Daten aus zwei großen Studien mit ca. 35.000 gegen Corona geimpften Menschen, nämlich mit den Impfstoffen von Biontech/Pfizer (Originalarbeit) und von Moderna (Originalarbeit).

Keine nennenswerten Nebenwirkungen bei 35.000 Geimpften

Aus meinen vorausgehenden Artikeln ergibt sich, dass im Laufe dieser zwei Studien keinerlei Nebenwirkungen aufgetreten sind, die wirklich problematisch wären. Es wurden lediglich Symptome beobachtet, die vielleicht unangenehm (Schmerz am Oberarm), aber harmlos und vorübergehend sind sowie vollständig und ohne Folgen ausheilen.

Nach der Zulassung eine allergische Reaktion auf 100.000 Geimpfte

Natürlich könnten in der breiten Anwendung nach Zulassung der Impfstoffe noch bislang unbekannte Nebenwirkungen auftreten, aber diese werden wahrscheinlich selten sein und eher unter 1 von 35.000 Fällen liegen.
So gab es nach Zulassung des Impfstoffs allergische Reaktionen, deren Häufigkeit aktuell vorläufig auf 1:100.000 geschätzt werden (Originalarbeit). Eine solche allergische Reaktion ist ernst zu nehmen und erfordert ärztliches Handeln (Injektion von Gegenmitteln). Dennoch lässt sie sich schnell und gut beherrschen und hinterlässt bei korrekter Behandlung keine Folgen.

Impfschaden hypothetisch bei einer von 1 Million Impfungen

Die meisten Nebenwirkungen treten innerhalb der ersten Monate nach Impfung auf (Podcast mit Prof. Krammer).
Die von Impfgegnern geschürten Ängste vor Impfschäden erwecken einen völlig falschen Eindruck, daher hier die konkreten Zahlen: In den Jahren 2005-2009 wurden jährlich 40-50 Millionen Kassenpatienten geimpft. Anerkannte Impfschäden lagen in durchschnittlich etwa 40 Fällen pro Jahr vor (siehe Nationaler Impfplan).
Somit kommt man also bei üblichen Impfstoffen auf 1 Impfschaden bei 1 Million Geimpften. Bei sämtlichen Corona-Impfstoffen ist aber bislang noch von keinerlei Impfschäden berichtet worden.

Sterberisiko und Gesundheitsschäden von COVID-19-Überlebenden

Das Risiko, an einer Coronavirusinfektion zu versterben, ist am stärksten vom Alter des Menschen abhängig (Originalarbeit). Danach erst spielen Vorerkrankungen und andere Faktoren eine Rolle.
 
Bei einem Alter von > 80 Jahren stirbt 1 von 7 Infizierten, bei 60-80 Jahren 1 von 28 Infizierten, bei 35-59 Jahren 1 von 556 Infizierten. Aber auch junge Menschen von 18-34 Jahren haben ein relevantes Risiko, an COVID-19 zu sterben. Dieses liegt bei 1 Sterbefall von 10.000 Infizierten.
 
Ein Aspekt wird häufig vergessen: COVID-19-Überlebende brauchen teils Monate oder Jahre, bis sie sich vom gesundheitlichen Schaden erholen – wenn eine vollständige Genesung überhaupt geschieht.
Ein solcher Verlauf der COVID-19-Infektion wird primär als „Long-COVID“ oder „Chronisches COVID-Syndrom“ bezeichnet und betrifft bis zu 10% der Infizierten sowie alle Altersgruppen (Übersichtsarbeit).
Bleibende Schäden können eine Einschränkung der Lebensqualität sowie der Lebenserwartung verursachen. Dies geschieht insbesondere dann, wenn ein Patient beatmungspflichtig wird, da der Lungenschaden durch Corona in diesen Fällen besonders ausgeprägt ist. Genaueres wird erst die Zukunft zeigen, aber schützen müssen wir uns jetzt.


Allein unter den in meiner Praxis diagnostizierten 42 COVID-Fällen leidet jeder 8. Patient (alle Altersgruppen) an einer Art Asthma (bronchiale Hyperreagibilität) infolge von COVID-19, ohne dass vorher eine Lungenerkrankung bekannt war.
Diese neu aufgetretene Lungenerkrankung muss über mehrere Wochen oder länger mit einem Asthmaspray (inhalatives Kortikoid) behandelt werden. Die langfristigen Folgen sind noch unklar.
Von 42 Fällen mussten 5 in die Klinik aufgenommen werden. Ein Patient ist verstorben.

Gegenüberstellung der Risiken in Zahlen

Wir wollen hier die Risiken der Erkrankung sowie Risiken der Impfung abschätzen und einander gegenüberstellen (Fall- und Sterbestatistik RKI, Studien Biontech/Pfizer sowie Moderna).
Zu beachten ist, dass sämtliche Zahlen vorläufig sind und Annäherungen darstellen. Definitive Zahlen werden sicherlich noch Jahre brauchen.
 
Beispiel zur Veranschaulichung: Werden 1 Million Menschen geimpft, dann werden bei der Altersstruktur in Deutschland
und einer Wirksamkeit des Impfstoffs von 95% mindestens 17.000 Menschenleben gerettet, selbst beim denkbar schlechtesten Impfstoff (Effizienz 50% statt 95%) auch noch mindestens 9000 Menschenleben. Dem gegenüber steht vermutlich ein einziger Fall mit einem Impfschaden (bislang noch keine beobachtet).

Zusammenfassung

Das Risiko durch die Impfung ist verschwindend gering. Der Schaden durch eine Coronainfektion hingegen ist immens. Die Letalität bei Älteren ist 1:7 bis 1:28. Aber auch bei Menschen unter 35 Jahren ist die Letalität immer noch zehnmal höher als die „schlimmste“ Nebenwirkung der Impfung, nämlich eine allergische Reaktion.
Und die Spätfolgen einer Coronainfektion werden uns möglicherweise noch Jahre beschäftigen.
Fazit: Es stellt sich gar nicht die Frage. Jeder sollte sich impfen lassen.

Sonntag, 03.01.2021
Veröffentlichung der Corona-Impfstoffstudie von Moderna "mRNA-1273"

Liebe Patienten,
 
die offiziellen Daten der Impfstudie von Moderna, also des „zweiten“ mRNA-Impfstoffs, wurden am 30. Dezember 2020 publiziert (Originalarbeit)
 
Ergebnisse:
 
- 30.420 Versuchspersonen wurden eingeschlossen (Mindestalter 18 Jahre). Die eine Hälfte (14.134) erhielt das Verum (den echten Impfstoff), die andere Hälfte ein Placebo (14.073), einige wenige Probanden wurden ausgeschlossen.
- 185 Fälle von COVID-19 wurden in der Placebogruppe beobachtet, während es nur 11 Fälle in der Verumgruppe waren. Daraus ergibt sich eine Wirksamkeit des Impfstoffs von 94%, gleichauf mit dem Impfstoff von Biontech/Pfizer.
- 30 Fälle von schwerem COVID-19 mit 1 Todesfall wurden in der Placebogruppe beobachtet, in der Verumgruppe („echter Impfstoff“) hingegen kein einziger Fall von schwerem COVID-19.
 
Weitere Einzelheiten:
 
- 2,2 % der Probanden hatten vor der Impfung bereits eine COVID-19 Infektion durchlaufen und trotzdem keine Komplikationen durch die Impfung.
- Panel A zeigt Häufigkeit und Schwere von lokalen Impfreaktionen (u.a. Schmerzen an der Injektionsstelle, Rötung und Schwellung).
- Panel B zeigt Häufigkeit und Schwere anderer Nebenwirkungen: Fieber, Kopfschmerzen, Abgeschlagenheit, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, Übelkeit oder Erbrechen, Schüttelfrost.
- Zusammenfassend sind die Nebenwirkungen vergleichbar mit dem Biontech-Pfizer-Impfstoff bzw. anderen, gängigen Impfstoffen.
- Es traten keine allergischen Reaktionen auf den Impfstoff auf. Die Studienleiter gehen davon aus, dass allergische Reaktionen zu selten sind, als dass sie durch diese Studie entdeckt werden konnten. Dies passt zu einer späteren Analyse, die von einer (vorläufigen) Häufigkeit von ca. 1:100.000 ausgeht (Originalarbeit).
- Der Impfstoff kann bei 2-8°C gelagert werden.
- Es ist nicht möglich zu sagen, ob eine asymptomatische Infektion durch die Impfung verhindert werden kann, also eine Infektion ohne jegliche Beschwerden. Das bedeutet, dass eine geimpfte Person zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion erleiden wird. Infiziert sie sich irgendwann mit Corona, dann wird sie möglicherweise trotz der Impfung für andere ansteckend sein. Das Tragen einer Maske wird also sehr wahrscheinlich auch nach Impfung erforderlich sein, um andere, nicht geimpfte Menschen zu schützen (u.a. Kinder, Schwangere, Patienten mit schwerer Immunschwäche).
- Langzeitnebenwirkungen können nicht ausgeschlossen werden. Dennoch stimme ich mit Impfexperten überein, dass der Gesundheitsschaden durch eine COVID-19-Infektion unvergleichlich größer sein wird als jegliche Nebenwirkungen durch den Impfstoff.
 
Zusammenfassung:
 
Der Moderna-Impfstoff „mRNA-1273“ ist hochwirksam und sicher. Er schützt vor einer schweren COVID-19-Infektion deutlich besser als erwartet (94% erreicht, 50% von der WHO verlangt). Die Nebenwirkungen liegen im üblichen Rahmen.
Die Studienergebnisse sind exzellent, daher habe ich bis auf Weiteres keine Vorbehalte gegen den Impfstoff.

Sonntag, 13.12.2020
Veröffentlichung der Corona-Impfstoffstudie von Biontech/Pfizer
„BNT162b2“

Liebe Patienten,
 
nach der Pressemitteilung vom 18. November mit den vorläufigen Daten der o.g. Impfstoffstudie wurden nun die offiziellen Daten der Impfstudie am 10. Dezember publiziert (Originalarbeit).
 
Diese Veröffentlichung bestätigt die Daten der Pressemitteilung:
 - 43.661 Versuchspersonen wurden eingeschlossen. Die eine Hälfte erhielt das Verum (den echten Impfstoff), die andere Hälfte ein Placebo.
- 162 Fälle von COVID-19 wurden in der Placebogruppe beobachtet, während es nur 8 Fälle in der Verumgruppe waren. Daraus ergibt sich eine Wirksamkeit des Impfstoffs von beachtlichen 95%.
 
Wir haben nun mehr Details zu Nebenwirkungen:
 - 37,706 Versuchspersonen lieferten mindestens 2 Monaten von Daten zu Nebenwirkungen. 49% waren weiblich, 21% hatten mindestens eine Vorerkrankung, 42% waren älter als 55 Jahre.
- Panel A zeigt Häufigkeit und Schwere von Schmerzen (in Prozent der Teilnehmer) an der Injektionsstelle, Rötung und Schwellung, jeweils für Personen von 16-55 Jahren sowie über 55 Jahren.
- Panel B zeigt Häufigkeit und Schwere anderer Nebenwirkungen: Fieber, Abgeschlagenheit, Kopfschmerzen, Schüttelfrost, Erbrechen, Durchfall, Muskelschmerzen, Gelenkschmerzen, jeweils Personen von 16-55 Jahren sowie über 55 Jahren.
- Zusammenfassend sind die Nebenwirkungen vergleichbar mit solchen von anderen, gängigen Impfstoffen.
- Diese Daten können allerdings nicht zeigen, ob eine asymptomatische Infektion verhindert werden kann, also eine Infektion ohne jegliche Beschwerden. Das bedeutet, dass eine geimpfte Person zwar mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen schweren Verlauf einer COVID-19-Infektion erleiden wird. Infiziert sie sich irgendwann doch mit Corona, dann wird sie möglicherweise trotz der Impfung für andere ansteckend sein.
- Langzeitnebenwirkungen können nie ausgeschlossen werden. Dennoch stimme ich mit Impfexperten überein, dass der Gesundheitsschaden durch eine COVID-19-Infektion unvergleichlich größer sein wird als jegliche Nebenwirkungen durch den Impfstoff.
 
Zusammenfassung:
 Der Biontech/Pfizer-Impfstoff ist hochwirksam und sicher. Er schützt vor einer schweren COVID-19-Infektion deutlich besser als erwartet (95% erreicht, 50% verlangt). Nebenwirkungen liegen im üblichen Rahmen.
Weitere Daten werden gesammelt. Bis auf Weiteres habe ich keine Vorbehalte gegen den Impfstoff und werde über persönliche Erfahrungen berichten, sobald ich selbst ihn verabreicht bekomme.
Man kann aktuell davon ausgehen, dass die Impfung 3 Wochen nach Anwendung wirkt. Der Schutz dürfte mindestens einige Monate, möglicherweise 1,5 Jahre halten.


Montag, 30.11.2020
Lesetipp: Aktueller Stand "Corona-Impfstoff"

Sie finden auf "tagesschau.de" (vorläufige) Antworten unter anderem auf die Fragen:
- Wann gibt es Impfstoffe in Deutschland?
- Wie wird die Impfung ablaufen?
- Wie wirksam werden die Impfstoffe sein?
- Welche Nebenwirkungen sind zu erwarten?

Donnerstag, 19.11.2020
Pressemitteilung von Biontech/Pfizer zum Impfstoff "BNT162b2"

Kurzfassung der Pressemitteilung vom 18.11.2020 (Quelle):
 
Die Phase-3-Studie hat 43661 Patienten weltweit eingeschlossen, davon waren 41% der Teilnehmer 56-85 Jahre alt, das Mindestalter lag bei 12 Jahren.
 
Die eine Hälfte der Studienteilnehmer erhielt den echten Impfstoff („Verumgruppe“), die andere Hälfte nur eine Scheinimpfung („Placebogruppe“).
 
Es wurden zum jetzigen Zeitpunkt insgesamt 170 Fälle von COVID-19 beobachtet, davon 8 in der Verumgruppe und 162 in der Placebogruppe. Daraus ergibt sich eine Wirksamkeit des Impfstoffs von 95%. Das heißt, dass COVID-19 unter den Geimpften (Verumgruppe) deutlich seltener auftrat als unter den nur scheinbar Geimpften (Placebogruppe).
 
Unter den COVID-19-Fällen waren 10 schwere Verläufe, davon 9 in der Placebogruppe und nur 1 in der Verumgruppe. Das bedeutet, dass unter den Geimpften deutlich weniger schwere Verläufe von COVID-19 zu beobachten waren als unter den nur scheinbar Geimpften.
 
Bezüglich der beobachteten schweren ("Grad-3"-) Nebenwirkungen traten nur zwei Nebenwirkungen bei mindestens 2% der Studienteilnehmer auf, nämlich Abgeschlagenheit (3,8% der Versuchspersonen) und Kopfschmerzen (2%).
 
Zusammenfassend macht der Impfstoff einen sehr guten Eindruck: Die Impfung scheint hocheffizient sowohl eine Erkrankung, als auch einen schweren Verlauf zu verhindern, und das bei geringen, akzeptablen und üblichen Nebenwirkungen. Es bleiben dennoch die vollständigen wissenschaftlichen Daten abzuwarten. Sobald diese vorliegen, werde ich berichten.


Sonntag, 08.11.2020
SARS-CoV-2-Impfung: Zusätzliche Informationsquellen

Liebe Patientinnen und Patienten,
 
hier finden Sie weitere aktuelle Informationen zu Impfstoffen gegen Corona auf den Seiten des Bundesministeriums für Bildung und Forschung:
Eine wirklich ansprechende und ausführliche Darstellung finden Sie in der New York Times, allerdings auf Englisch: "Corona Virus Tracker".

Sonntag, 01.11.2020
Thema: SARS-CoV-2-Impfung ("Corona-Impfung")

Liebe Patientinnen und Patienten,
 
mein folgender Artikel stützt sich im Wesentlichen auf eine Übersichtsarbeit des Vakzinologen (Impfspezialisten) Prof. Florian Krammer (zur Person, Originalarbeit).
Aktuell sind 180 Impfstoffe in der Entwicklung, von denen sieben hier näher erläutert werden sollen. Im Folgenden gehe ich auf zwei wesentliche Fragen ein:

1.      Wie ist bzw. war es technisch möglich, die Impfstoffentwicklung ohne Abstriche bei der Sicherheit um viele Jahre zu verkürzen?
2.      Welche Impfungen sind aktuell in Entwicklung? Welche Daten liegen zu Wirksamkeit und Sicherheit dieser Impfungen vor?

1. Beschleunigung der Impfstoffentwicklung

Abb. 1: Schritte in der Impfstoffentwicklung: traditionell und SARS-CoV-2-Impfstoffprozess
Folgende Schritte werden in der Impfstoffentwicklung durchlaufen (s. Abbildung 1):
 
a)      Design des Impfstoffs und erste Erprobung im Tiermodell: Dieser Prozess benötigt sonst Jahre und konnte praktisch übersprungen werden, weil bereits ausreichende Daten aus der Impfstoffentwicklung der Coronaviren von 2003 (SARS) und 2012 (MERS) vorlagen.

b)      Präklinische Experimente und toxikologische Studien im Tiermodell: Auch dieser sonst Jahre erfordernde Vorgang konnte durch Übernahme teils vorhandener Daten aus der Impfstoffforschung von SARS und MERS deutlich gekürzt werden.

c)      Phase I- bis Phase-III-Studien: Von einer Phase zur nächsten werden immer mehr Probanden in die Studien eingeschlossen, um Wirksamkeit (funktioniert die Impfung?) und Sicherheit (sind die beobachteten Nebenwirkungen tragbar?) zu überprüfen. Dies sind zu Beginn in Phase I meist weniger als 100 und zum Schluss in Phase III Tausende bis Zehntausende Probanden. Im Normalfall laufen diese Studien zeitlich nacheinander, um die Ergebnisse der vorausgehenden Phase abzuwarten.
Es kommt vor allem aus wirtschaftlichen Gründen häufig zu erheblichen Verzögerungen: Die einzelnen Phasen müssen erst finanziert werden, was Zeit erfordert, es müssen Probanden gefunden werden, und schließlich muss das beauftragende Unternehmen immer wieder prüfen, ob sich die Investition in die nächste Studienphase aufgrund der jeweiligen Marktlage wirklich noch lohnt. Dies führt dazu, dass die Phase I- bis Phase III-Studien sonst 5-7 Jahre benötigen.
Das aktuelle Vorgehen ist anders:
- Die Finanzierung steht bereits aufgrund immenser Investitionen von Staaten weltweit.
- Die Studienphasen wurden überlappend statt nacheinander geplant. Das wäre für die Unternehmen in anderen Situationen wirtschaftlich zu riskant: Wenn sich in Phase I ein Problem entwickelt, das das Gesamtprojekt zum Abbruch zwingt, sind Investitionen in Phase II und Phase III verloren. Durch die staatliche Finanzierung und Abnahme kann die Entwicklung in überlappenden Studienphasen dadurch hingegen ohne Qualitätsverlust deutlich beschleunigt werden.
- Sonst miteinander konkurrierende Unternehmen betreiben eine Kooperation und Aufgabenteilung, so dass auch hier Zeit in der Entwicklung und Erprobung eingespart werden.


d)      Serienproduktion: Die normalerweise erst am Ende erfolgende eigentliche Produktion des Impfstoffs geschieht bereits jetzt, auch auf das Risiko hin, dass bei Nichtzulassung des Impfstoffs sämtliche Impfdosen vernichtet werden müssen. Dies können sich Unternehmen auch nur aufgrund der besonderen Situation leisten, im Normalfall wäre das Investitionsrisiko zu hoch.

e)      Impfstoffzulassung: Die Zulassung des Impfstoffs durch die entsprechenden Behörden (FDA, EMA etc.) dauert im Regelfall 1-2 Jahre, da die Behörden viele andere Medikamente und Produkte bewerten und ggf. genehmigen müssen. Aufgrund der aktuellen Notlage würde ein potenzieller SARS-CoV-2-Impfstoff hingegen prioritär behandelt und sofort geprüft.
 
Zusammenfassend betont Prof. Krammer, dass die Beschleunigung der Impfstoffentwicklung im Wesentlichen durch die Inkaufnahme eines hohen finanziellen Risikos ermöglicht wird. Hingegen bestünden keine signifikanten Abstriche bezüglich der Sicherheit, also Verträglichkeit des Impfstoffs, und das darf auch nicht geschehen.
 
Es wäre im Übrigen für die Vermarktung des jeweiligen Impfstoffs sicherlich das Ende, wenn nicht tragbare Nebenwirkungen aufträten. Die entwickelnden Unternehmen sind also nicht nur aus ethischen Gründen, sondern allein schon aus wirtschaftlichem Interesse auf eine höchst sorgfältige Impfstoffentwicklung interessiert, denn die internationale Konkurrenz ist groß.

2. Beschreibung von sieben Impfstoff-Kandidaten

  • Abb. 2: Coronavirus, Spike-Protein in rot
  • Abb.3 : Vermehrungszyklus von SARS-CoV-2: Anheftung an die menschliche Zelle mittels Andocken des Spike-Proteins am ACE-2-Rezeptor. Mittels der vom Virus mitgebrachten „Bauanleitung“ mRNA produzieren die zelleigenen Ribosomen Proteine, aus denen neue Viren entstehen und aus der Zelle ausgeschleust werden.
a)      Firma: Sinovac. Name des Impfstoffs: CoronaVac.
Totimpfstoff (inaktiviertes SARS-CoV-2) mit Aluminiumhydroxid als Wirkverstärker. Es wurden zwei Impfdosen im Abstand von 2-4 Wochen verabreicht. Die Verträglichkeit wurde als exzellent beschrieben. 90% der Probanden zeigten Antikörper gegen Corona im Sinne eines Ansprechens auf die Impfung - zumindest im getesteten Zeitraum. Die Antikörperspiegel waren allerdings relativ niedrig und bei jüngeren Probanden höher als bei älteren. Aktuell läuft die Phase III-Studie.
 
b)      Firma: Sinopharm.
Totimpfstoff (inaktiviertes SARS-CoV-2) mit Aluminiumhydroxid als Wirkverstärker. Es wurden zwei Impfdosen im Abstand von 2 bzw. 3 Wochen verabreicht. Es konnten mittelhohe Antikörperspiegel nachgewiesen werden. Die Nebenwirkungen waren vergleichbar mit CoronaVac (siehe unter a). Aktuell läuft die Phase III-Studie.
 
c)      Firma: CanSino
Es wird ein nicht-vermehrungsfähiges Adenovirus (unschädliches Erkältungsvirus) verabreicht, welches das Spike-Protein von SARS-CoV-2 („Coronavirus“) in sich trägt (s. Abb 2).
Das Spike-Protein ist die Struktur auf der Oberfläche des Coronavirus, mit der es sich Zugang zur menschlichen Zelle verschafft. Das Immunsystem erkennt dieses Spike-Protein und bildet Antikörper dagegen, so dass es im Falle einer echten Corona-Infektion lebende Viren mit diesen Antikörpern unschädlich machen und für die Zerstörung markieren kann.
Es wurde eine einmalige Impfdosis verabreicht. Die Antikörperspiegel waren niedrig. Als Nebenwirkungen wurden beschrieben: Abgeschlagenheit und Kopfschmerzen, in 50% Schmerzen an der Einstichstelle sowie Fieber in 9% (hohe Impfdosis) bzw. 1 % (niedrige Impfdosis) der Fälle. Aktuell läuft die Phase III-Studie.
Nebenbemerkung: Nicht-vermehrungsfähige Adenoviren werden vom Immunsystem erkannt und vernichtet. Das Adenovirus hat insofern keine Möglichkeit sich zu wehren geschweige denn dem Körper zu schaden, weil ihm die Genabschnitte entfernt wurden, mit denen es sich normalerweise vermehrt. Das Adenovirus ist also lediglich eine Art Träger, der dem menschlichen Immunsystem das Spike-Protein „präsentiert“, damit das Immunsystem Antikörper bilden kann.
Dieses Impfverfahren ist in Form des Ebola-Impfstoffs in Zentralafrika bereits erfolgreich zum Einsatz gekommen.
 
d)      Firma: AstraZeneca
Auch hier wird ein nicht-vermehrungsfähiges Adenovirus verabreicht, welches das Spike-Protein von SARS-CoV-2 in sich trägt.
Der Großteil der Probanden erhielt eine einmalige, eine kleine Gruppe auch eine zweite Impfdosis nach 28 Tagen. Es fanden sich mittelhohe Antikörperspiegel gegen Corona, die in der Gruppe der Probanden mit zweiter Impfdosis nochmals höher waren.
Die häufigsten Nebenwirkungen bestanden in Abgeschlagenheit (> 70% der Probanden), Kopfschmerzen (> 60% der Probanden). Häufig traten auch Fieber oder ein fieberhaftes Gefühl auf. Aktuell läuft die Phase III-Studie.
 
e)      Firma: Moderna
Hier wird ein neues Impfprinzip verfolgt: Es wird mRNA, also die „Bauanleitung“ für ein Protein (hier: Spike-Protein von SARS-CoV-2), mittels eines Lipid-Nanopartikels (LNP), vereinfacht gesagt also mit einem „Fetttröpfchen“ in den Körper eingebracht.
Hintergrundwissen: In einer menschlichen Zelle wird von der DNA, also der Erbinformation im Zellkern, eine nicht-identische, aber bedeutungsgleiche Abschrift in Form einer mRNA gemacht. Diese mRNA wird zu den Ribosomen außerhalb des Zellkerns (aber noch in der Zelle) transportiert. Das Ribosom produziert nun wie an einem Fließband ein Protein mithilfe der in der mRNA enthaltenen Bauanleitung. Nach Produktion des Proteins wird die mRNA abgebaut (Abb. 3: Lebenszyklus von SARS-CoV-2).
Zum Wirkprinzip der Impfung: Die mittels des Fetttröpfchens (LNP) in den Körper und anschließend in die Zellen transportierte mRNA findet ihren Weg zu den Ribosomen, so dass dort das Spike-Protein produziert wird. Die mRNA wird danach von der Zelle abgebaut. Das Spike-Protein wird nun vom Immunsystem erkannt und führt zur Erzeugung von Antikörpern. Danach wird auch das Spike-Protein vom Körper abgebaut.
Das Spike-Protein allein kann ohne das übrige Virus keinen Schaden verursachen. Die mRNA ist nur eine Bauanleitung und kein Virus. Sie hat weder Kontakt noch Einfluss auf die DNA, also die Erbinformation im Zellkern. Dieses Wirkprinzip wird aktuell auch in der Entwicklung von Impfstoffen gegen Zikavirus und Zytomegalievirus angewendet.
Zum Moderna-Impfstoff: Es wurden zwei Impfdosen im Abstand von 4 Wochen verabreicht. Die hervorgerufenen Antikörper lagen in einem mittleren bis hohen Bereich und waren in der Höhe vergleichbar mit Antikörperspiegeln von genesenen COVID-19-Patienten. Es konnte im Unterschied zu den Totimpfstoffen auch eine T-Zell-Reaktion nachgewiesen werden. Dies ist insofern relevant, weil dadurch eine nachhaltigere und breitere Antwort des Immunsystems auf eine echte Coronainfektion zu erwarten ist, so dass der Geimpfte mutmaßlich besser und länger geschützt ist.
Bezüglich Nebenwirkungen ist von Fieber in 40% bzw. 57% der Fälle nach der 2. Impfung zu berichten. Aktuell läuft die Phase III-Studie, die auch ältere Probanden einschließt.
 
f)       Firma: Pfizer / Biontech (Mainz)
Auch hier wird das gleiche Prinzip verfolgt, also das Einbringen von mRNA mittels eines Fetttröpfchens (LNP, Lipid-Nanopartikel). Die mRNA ist hier eine Bauanleitung nur für die Rezeptor-bindende Region (RBD, receptor binding domain) des Spike-Proteins und nicht des vollständigen Spike-Proteins wie beim Impfstoffkandidaten von Moderna.
Es wurden zwei Impfdosen im Abstand von 3 Wochen verabreicht. Die erreichten Antikörperspiegel waren mittel bis hoch und vergleichbar mit denen von COVID-19-genesenen Patienten. Bezüglich Nebenwirkungen wurde von Fieber berichtet.
Es ist noch ein zweiter Impfstoff von Pfizer in Entwicklung, bei dem die mRNA allerdings für das vollständige Spike-Protein codiert. Hier wurden weniger Nebenwirkungen beobachtet.
Aktuell läuft die Phase III-Studie.
 
g)      Firma: Novavax
Hier kommt ein anderes Impfprinzip zum Einsatz: Das vollständige Spike-Protein wird nach Produktion in Insektenzellen in eine künstliche Mizelle („Kügelchen“) eingeschlossen (Originalartikel), wobei die für das Immunsystem relevanten Abschnitte des Spike-Proteins an der Oberfläche der Mizelle „sichtbar“ sind.
Es wurden zwei Impfdosen im Abstand von 3 Wochen verabreicht. Nur bei Verwendung eines Wirkverstärkers waren relevante Antikörperspiegel zu erreichen, dafür aber sehr hohe. Außerdem war auch eine T-Zell-Antwort nachzuweisen, die – wie bereits erwähnt – für eine nachhaltige und breite Immunantwort und damit einen längeren und besseren Immunschutz vorteilhaft ist.
Beobachtete Nebenwirkungen bestanden in: Abgeschlagenheit, Krankheitsgefühl, Kopfschmerzen, Schmerzen an der Einstichstelle, Gliederschmerzen, Gelenkschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, selten Fieber.
Aktuell laufen Phase II- und III-Studien.

(Bildquellen: Abbildung 2: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=88739655 , Abbildung 3: https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=86444014 )

Abschließende Bewertung: Coronaimpfstoffe

Abb 4.: Impfstoffkandidaten im Detail
Zusammenfassend kann der aktuelle Forschungsstand laut Prof. Krammer als vorsichtig optimistisch bezeichnet werden.

Durch die genannten Impfungen werden allerdings vor allem Antikörper vom Typ IgG hervorgerufen, die insbesondere den unteren Atemwegstrakt, also die Lunge, schützen. Hingegen werden keine ausreichenden Spiegel von Antikörpern des Typs IgA produziert, so dass der obere Atemwegstrakt, also Rachen und Umgebung nicht genügend geschützt sind.
Somit ist kein Schutz vor einer Infektion generell zu erwarten, sondern lediglich ein Schutz vor einem schweren Verlauf im Sinne einer Infektion der Lunge. Daher geht man davon aus, dass auch nach Verabreichung einer Impfung weiterhin die Notwendigkeit zum Tragen eines Mund-Nase-Schutzes erforderlich sein wird.
Die Entwicklung eines Lebendimpfstoffs, der über die Nase verabreicht wird (existiert für Grippe), wäre grundsätzlich wünschenswert, weil ein solcher die Bildung von Antikörpern beider Typen (IgG und IgA) hervorrufen würde. Allerdings sind Impfstoffe dieser Art nur vereinzelt in der Entwicklung befindlich, und es gibt aktuell noch keine klinischen Studien dazu. Es ist aber durchaus denkbar, dass Impfstoffe dieser Art verzögert auf den Markt kommen.
 
Aktuell ist nicht bekannt, wie gut ältere Menschen auf die Impfung ansprechen. Ältere Menschen benötigen für einen ausreichenden Schutz außerdem häufig höhere Antikörperspiegel als junge Menschen (Erfahrungen aus der Entwicklung von Grippeimpfstoffen).
 
Prof. Krammer schließt ab, dass die Impfstoffe von AstraZeneca, Moderna und Pfizer hochwahrscheinlich eine ausreichende Wirksamkeit erreichen werden, so dass eine Zulassung zu erwarten ist, sofern die Nebenwirkungen wie bislang gering bleiben.
 
Ich darf persönlich noch anmerken, dass bedenkliche Impfnebenwirkungen im Sinne einer Impfkomplikation im Allgemeinen weit überschätzt werden. Sieht man von normalen Impfreaktionen ab, wie sie auch in den oben genannten Studien beobachtet wurden, also Kopfschmerzen, Gliederschmerzen, Krankheitsgefühl, Fieber, starker Abgeschlagenheit u.a., dann habe ich nach ca. 12.000 Impfungen in den letzten 9,5 Jahren erfreulicherweise keinen einzigen Fall einer Impfkomplikation erleben dürfen. 
Es gerät zu oft in Vergessenheit, das jährlich Millionen von Leben durch Impfungen gerettet bzw. Gesundheitsschäden durch Impfungen verhindert werden: So hat allein die Masern-Impfung laut WHO vom Jahr 2000 bis 2015 insgesamt 17 Millionen Menschenleben gerettet (WHO zu Masern). Und nur durch eine Impfung konnten die Pocken als Krankheit ausgerottet werden, die allein im 20. Jahrhundert 300 Millionen Menschenleben gekostet haben (WHO zu Pocken).
 
Schließlich glaube ich persönlich, dass die Entwicklung eines Corona-Impfstoffs als einzigartige und nie dagewesene internationale Zusammenarbeit und Leistung erinnert werden wird. Wir alle werden wohl den Wissenschaftlern und anderen Beteiligten unseren Respekt und unsere Dankbarkeit schulden.

Samstag, 22.08.2020

Liebe Patientinnen und Patienten,
 
bitte achten Sie auch weiterhin auf die Vorsichtsmaßnahmen „Abstand, Hygiene, Alltagsmaske (AHA)“: Wir sind in Deutschland in einer bislang milden zweiten Welle. Auch unsere unmittelbaren Nachbarländer sind ähnlich oder stärker betroffen (Belgien, Tschechien). 
Die Karte (Quelle) zeigt die Infektionsfälle pro Tag im jeweiligen Land. In allen Ländern um Deutschland ist ein Anstieg der Infektionsfälle klar zu erkennen.
Das zweite Diagramm (Quelle) zeigt, dass die Infektionsfälle in Wiesbaden ebenfalls deutlich zunehmen. Wir alle dürfen jetzt nicht nachlässig werden, auch wenn es vielleicht nicht leicht fällt, diszipliniert zu sein und der Bequemlichkeit zu widerstehen.

Dienstag, 28.07.2020

Liebe Patientinnen und Patienten,
 
bitte seien Sie in der nächsten Zeit besonders aufmerksam und achten auf die Vorsichtsmaßnahmen „Abstand, Hygiene und Maske“.
In den Nachbarländern scheint sich eine neue Infektionswelle („2. Welle“) anzubahnen, teilweise ist sie auch wohl schon da. Die Diagramme (Quelle) zeigen die Infektionsfälle pro Tag, und man sieht, dass nach einer ersten Welle entweder im Ansatz oder sogar deutlich erkennbar eine zweite Welle unterwegs ist, zum Beispiel in Luxemburg und in Tschechien.
Aus diesem Grund hatte das Robert-Koch-Institut heute eine Pressekonferenz abgehalten, um auf die Situation aufmerksam zu machen.

Sonntag, 26.07.2020

Liebe Patientinnen und Patienten,
 
im Augenblick herrscht in Deutschland bezüglich der Corona-Pandemie erfreulicherweise etwas Ruhe. Das gibt uns die Chance, uns ein wenig vom Pandemie-Stress zu erholen, das Wetter zu genießen, Freunde und Bekannte endlich wiederzusehen – natürlich unter Beachtung der Sicherheitsregeln (siehe auch „Zusammen gegen Corona“).
 
Sollte es im Herbst tatsächlich noch einmal einen erheblichen Anstieg der Infektionsfälle geben, wird unsere Motivation für erneute Isolationsmaßnahmen sicherlich besser sein, wenn wir den Sommer so gut wie möglich genutzt haben. Insofern halte ich es aus psychologischen Gründen für ganz wichtig, sich diese kleine Pause von der Pandemie zu gönnen.
 
Heute möchte ich zu folgenden Themen etwas schreiben:
 
- Corona-Warn-App
- Gesichtsmaske
- 3 Mio. gerettete Leben in Europa

Zu einigen anderen Themen gibt es noch keine wirklich entscheidende Nachricht. Verlässliche Ergebnisse brauchen einfach Zeit. Dies betrifft u.a. auch die Themen Impfung, Medikamente, Antikörpertest und Antigentest.
Bislang keine wirklich entscheidende Bedeutung haben Mutationen des Virus (Originalartikel) sowie die Blutgruppe von Infizierten (Originalartikel).

Corona-Warn-App

Diese App wurde in Deutschland besser angenommen als in anderen europäischen Ländern, aktuell wurde sie 16 Millionen Mal heruntergeladen (siehe Abbildungen). Je mehr Menschen mitmachen, desto besser kann uns diese App helfen, harte Maßnahmen wie erneute Schließungen von Geschäften und Restaurants zu vermeiden.
Stattdessen kann die App die Kontaktpersonen von Infektionsfällen gezielt informieren und dadurch eine Quarantäne der „richtigen“ Personen ermöglichen, statt die ganze Bevölkerung in die Isolation zu schicken.
Informationen zum Quellcode und zu Themen des Datenschutzes bezüglich der App finden Sie bei heise.de.

Gesichtsmaske

Eine Maske zu tragen bedeutet für fast alle keine wirkliche Mühe und hat nach aktuellem Kenntnisstand auch eine nachweisliche Wirkung, insofern befürworte ich ganz klar das Tragen einer Gesichtsmaske.
Die Universität Mainz hat zusammen mit anderen eine gut verständliche Untersuchung veröffentlicht, die eine deutliche Senkung der Infektionen durch das Tragen der Maske anhand des Beispiels in Jena zeigt (siehe Abbildung 1, Originalartikel). Hierzu gibt es auch zahlreiche andere Untersuchungen mit gleichem Ergebnis, zum Beispiel anhand der Situation in Italien (Abbildung 2).
Ein recht plastisches Beispiel findet sich in DER SPIEGEL. Hier hatten zwei Friseure in Unkenntnis ihrer Infektion 140 Kunden weiter bedient, offenbar aber dank ihrer Masken keine einzige Person angesteckt.
Für Interessierte findet sich eine etwas komplexere, dafür aber detailliertere Untersuchung in The Lancet.

3 Mio. gerettete Leben in Europa

Diese hochkarätig in Nature publizierte Untersuchung zeigt uns, dass die für uns alle mühsamen Beschränkungsmaßnahmen („lockdown“) sich definitiv gelohnt haben: In Deutschland wurden dadurch etwa 500.000 Menschenleben gerettet, in Europa insgesamt 3.000.000.
Das zweite Diagramm aus der Financial Times zeigt, was passiert, wenn die Maßnahmen gegen die Pandemie nicht konsequent genug durchgeführt werden: Die USA haben es nicht geschafft, die erste Welle zu überwinden, und die Infektionszahlen steigen weiterhin immens. Hoffen wir für die Menschen dort, dass sich Wissenschaft und Fakten durchsetzen.

Montag, 22.06.2020

Erfolg der Beschränkungsmaßnahmen in Zahlen

Liebe Patienten,

für uns alle ist es eine psychische und wirtschaftliche Belastung gewesen, die Beschränkungsmaßnahmen einzuhalten. Wir alle haben damit viele Infektionen verhindert und somit Leben gerettet. Mittlerweile gibt es gute mathematische Modelle, um zu errechnen, wie viele Infektionen es ohne die Beschränkungsmaßnahmen gegeben hätte.

Eine aktuelle Studie (s.u.) hat den Verlauf in folgenden Ländern untersucht: China, Südkorea, Italien, Iran, Frankreich, USA. Sie kommt zum Ergebnis, dass sich ohne die Beschränkungsmaßnahmen möglicherweise 530 Millionen Menschen zusätzlich infiziert hätten (im Vergleich zu aktuell 3 Millionen Infizierten in allen sechs Ländern zusammen).

Dies verdeutlicht und unterstreicht, wie wichtig diese Maßnahmen waren. (siehe Originalartikel)

Sonntag, 21.06.2020

Corona-Warn-App

Liebe Patienten,
 
seit Dienstag ist die „Corona-Warn-App“ verfügbar. Diese Anwendung für Smartphones soll den Besitzer warnen, wenn in den vorausgehenden zwei Wochen eine räumliche Nähe zu einem anderen Menschen bestand, der sich – ebenfalls über die App – als Corona-positiv gemeldet hat. Ist dies der Fall, kann sich der Anwender zum Schutz anderer in eine freiwillige Quarantäne begeben.
 
Die Anwendung scheint hinreichend sicher bezüglich des Datenschutzes (siehe Artikel bei heise.de). Der Quellcode (die „Programmierung“) ist offengelegt, so dass jeder Fachkundige sich die Anwendung in allen Details und Funktionen anschauen kann. Zur Handhabung finden Sie hilfreiche Hinweise bei heise.de.
 
Diese App gibt der Bevölkerung im Ganzen die Chance, lokale Ausbrüche der Virusinfektion mittels der App rasch einzudämmen, ohne dass erneut umfängliche Beschränkungen des öffentlichen Lebens erfolgen müssen.
Gerade Ausbrüche wie kürzlich in der Fleischfabrik bei Gütersloh hätten mit einer solchen App möglicherweise viel rascher beherrscht werden können, bevor über 1000 Menschen sich mit Corona infizieren.
 
Insofern befürworte ich die Verwendung dieser App und habe sie natürlich selbst auch auf meinem privaten Smartphone installiert. Sie hat auch eine gute wissenschaftliche Basis bezüglich des Nutzens (siehe Originalartikel).
 
Sie können die App hier herunterladen.

Montag, 01.06.2020

Liebe Patienten,

heute möchte ich auf folgende Themen eingehen:

- Aktueller Stand der Corona-Pandemie in Deutschland
- Informationsvermittlung durch die Medien
- „R-Wert“ und Vergleich von Corona zu anderen Viren
- Die COVID-19-Infektion – was ist bis jetzt bekannt?

Aktueller Stand der Corona-Pandemie in Deutschland

Die Bemühungen der Bevölkerung, der Politik und der Medizin haben bewirkt, dass die erste Welle von Infektionen deutlich abgeflacht ist. Das Diagramm lässt erkennen, dass die Zahl aktuell Erkrankter deutlich zurückgegangen ist (rote Kurve), nicht zu verwechseln mit der Zahl derer, die die Erkrankung hatten oder haben (blaue Kurve). Derzeit sind also etwa nur 8000 Menschen noch aktiv an COVID-19 erkrankt.
Dies ist für alle ein sehr erfreuliches Ergebnis und der weitgehenden Mehrheit der Bevölkerung zu verdanken. Sie hat verstanden, die Bedrohung durch Corona weder zu unter- noch zu überschätzen, und ihre Lebensweise entsprechend vernunftorientiert anzupassen. Hingegen ist das Verhalten von kleinen Randgruppen auf Demonstrationen gefährlich: Die Verbreitung von Falschinformationen führt zu fahrlässigem Verhalten und gefährdet in rücksichtsloser Weise das Leben anderer.
Aktuell hat es in Wiesbaden einen Ausbruch von Infektionen in einem Seniorenheim gegeben. Dies zeigt, dass es noch lange nicht vorbei ist. Deutschland meistert die Situation weltweit vorbildlich. Wer sich verständlicherweise manchmal fragt, wie lange das alles noch geht, möge in die USA schauen und froh sein, dass uns dieses furchtbare Schicksal nicht ereilt hat und hoffentlich auch nicht wird.

Informationsvermittlung durch die Medien

Wissenschaft ist ein langsamer Prozess, der viel Zeit und Geduld erfordert. Die Medien hingegen brauchen schnelle Nachrichten und Sensationen, sonst werden sie nicht wahrgenommen.
Dieser Gegensatz führt zum Missverständnis, dass angeblich mal die eine, mal die gegenteilige Empfehlung im Raum steht.
Insofern empfehle ich, nicht jeder Sensationsmeldung, egal ob positiv oder negativ, in den Medien zu folgen, sondern erst einmal abzuwarten, bis Fakten aus Studien die eine oder andere Vermutung erhärten oder entkräften.
Dennoch möchte ich betonen, dass es sicherlich sinnvoll und empfehlenswert ist, sich über die bewährten Medien zu informieren, also öffentlich-rechtliches Fernsehen sowie seriöse Printmedien. Man muss eben ein wenig „filtern“ und schrille Meldungen etwas abkühlen lassen.
Es darf keinesfalls passieren, dass man sich von diesen Medien abwendet und seine Informationen bei selbsternannten „Gurus“ auf YouTube oder über Gerüchte bei Facebook, WhatsApp, Twitter etc. erwirbt. Das kann nur in die Irre führen, denn dort muss niemand Rechenschaft über seine Inhalte ablegen. Genauso gut könnte man beliebige Leute auf der Straße fragen, wie man denn am besten das Coronavirus behandelt.
Verlässliche Informationen erhalten Sie hier:
http://www.infektionsschutz.de/coronavirus
http://www.zusammengegencorona.de
http://www.rki.de/covid-19
Außerdem kann ich den Podcast „Das Coronavirus-Update“ mit Professor Christian Drosten auf NDR empfehlen. Herr Drosten ist in Deutschland der mit dem Coronavirus am besten vertraute Virologe:
https://www.ndr.de/nachrichten/info/podcast4684.html

„R-Wert“ und Vergleich von Corona zu anderen Viren

Die New York Times hat ein anschauliches Diagramm veröffentlicht (s. Bild). Der „R-Wert“, also die Anzahl der Menschen, die von einem Erkrankten angesteckt werden, ist auf der unteren Achse markiert. Je weiter die Erkrankung rechts liegt, desto mehr Menschen werden von einem einzelnen Erkrankten angesteckt. Die Masern (Measles) sind also deutlich ansteckender als SARS-CoV-2 („new coronavirus“).Die linke Achse zeigt die Sterblichkeit. Ebola ist also deutlich gefährlicher als das aktuelle SARS-CoV-2-Virus.An diesem Diagramm lässt sich aber auch erkennen, wie unsinnig die Aussage „Corona ist genauso harmlos wie eine Grippe“ ist: Die Grippe kann nämlich sehr unterschiedlich gefährlich sein. Die Vogelgrippe („bird flu“) zum Beispiel ist hochgefährlich und auf einem Niveau mit Ebola, die Grippe von 2009 („2009 flu“) hingegen ist so harmlos gewesen wie eine einfache Erkältung („common cold“).SARS-CoV-2 ist nicht als Punkt, sondern als rote Fläche markiert, weil die Sterblichkeit noch nicht genau bekannt ist. Die Sterblichkeit von COVID-19, also der Krankheit, die durch SARS-CoV-2 ausgelöst wird, ist jedoch schon hoch genug, um auch moderne Gesundheitssysteme zu überfordern, insbesondere dann, wenn die Bedrohung nicht ernstgenommen wird.

Die COVID-19-Infektion – was ist bis jetzt bekannt?

Das Virus befällt zunächst die oberen Atemwege, also Nase und Rachen („Stage I“ auf dem Diagramm). Die häufigsten Symptome sind Fieber und Husten. Ein Geschmacksverlust ist zwar typisch, kommt aber auch bei „normalen“ Erkältungen vor.In der zweiten Phase befällt das Virus die Lunge („Stage II“). Jetzt ist der Rachenabstrich auf SARS-CoV-2 oft schon nicht mehr positiv, obgleich man die Erkrankung hat. Jetzt kann Luftnot als Symptom hinzutreten. Es zeigt sich das Bild einer Lungenentzündung.In der dritten Phase kommt es zu einer überschießenden Reaktion des Immunsystems. Infolgedessen schädigt das Immunsystem den eigenen Körper. Es gibt daher Überlegungen, das Immunsystem mit Medikamenten zu zügeln.Außerdem treten Entzündungen des Herzmuskels bis hin zum Herzversagen auf. Darüber hinaus werden Gerinnungsstörungen mit Bildung von Thrombosen und Lungenembolien beobachtet.Dies fasst das zusammen, was aktuell als bekannt betrachtet werden darf. Andere Beobachtungen bei Coronavirusinfektionen sind vorläufig, auch wenn diese in den Medien sofort aufgenommen und so dargestellt werden, als wären es bestätigte Fakten Ein Beispiel sind aktuell berichtete Fälle gewisser Begleiterscheinungen bei Kindern. So etwas ist jedoch nicht als fertige Tatsache zu betrachten. Häufig gibt es ein zufälliges gemeinsames Auftreten zweier Ereignisse, die aber ursächlich nichts miteinander zu tun haben. Und häufig werden solche Beobachtungen durch andere im Verlauf widerlegt.Schließlich ist noch zu sagen, dass Studien eine völlig unterschiedliche Qualität haben können. Es ist die Bewertung durch Experten abzuwarten, bevor durch Medien wie die Bild-Zeitung irgendwelche Rückschlüsse gezogen werden, die nicht zulässig sind und renommierte Experten völlig ungerechtfertigt attackiert werden. Dies geschieht wohl nur, weil es Leser anzieht. Das ist moralisch höchst fragwürdig. Hier gilt daher nochmals: Erstmal abwarten und die Wissenschaft ihre Arbeit machen lassen. (Originalarbeit zum Diagramm)

Sonntag, 17.05.2020

Liebe Patientin, lieber Patient,

ich möchte heute auf mehrere Themen eingehen:

  • Mit Köpfchen durch die Pandemie
  • Woher weiß man, wo das Virus herkommt?
  • Ist Corona wirklich so „schlimm“?
  • Warum ist die Sterblichkeit in verschiedenen Ländern so unterschiedlich?
  • Warum dauert es so lange mit dem Impfstoff?
  • Neues zum Antikörpertest?
  • Gibt es mittlerweile Medikamente gegen Corona?
  • Leben Sie Ihr Leben! – mit Abstand, Maske und Hygiene

Mit Köpfchen durch die Pandemie

In einer Ausnahmesituation wie der aktuellen Corona-Pandemie ist es für uns alle das Wichtigste, einen kühlen Kopf zu bewahren, unseren Verstand zu benutzen und uns aus sicheren Quellen, also bei Experten, zu informieren.
Nur so kommen wir bestmöglich durch diese Zeit, die noch solange ungewiss bleiben wird, bis ein Impfstoff vorliegt. Hingegen sind weder durch Panik noch durch Verleugnung oder Realitätsverzerrung geleitete Verhaltensweisen geeignet, uns zu helfen.

Woher weiß man, wo das Virus herkommt?

Jedes Virus hat einen genetischen Fingerabdruck. Wenn man den Fingerabdruck des in verschiedenen Ländern kursierenden Virus mit dem von in bestimmten Tieren vorkommenden Virus vergleicht, lässt sich der Fingerabdruck abgleichen und die Herkunft ableiten.
Im Diagramm 1 sind mehrere solcher Fingerabdrücke dargestellt. In Grün sieht man ein bestimmtes, in Fledermäusen vorkommendes Virus, in Rot das weltweit kursierende Virus. Man kann erkennen, dass diese beiden Viren weitgehend identisch sind. Kleine Abweichungen sind normal, weil Viren sich im Fortpflanzungszyklus verändern können.
Somit kann die Herkunft als weitgehend gesichert gelten.

Ist Corona wirklich so „schlimm“?

Zahlen sind abstrakt, man kann sich darunter vielleicht nicht viel vorstellen. Daher ein Bild aus dem wahren Leben: Ich bekomme Berichte von befreundeten Ärztinnen und Ärzten im Rhein-Main-Gebiet, in Deutschland und aus ganz Europa, die direkt an der „Front“ in Kliniken, teilweise auf Intensivstation arbeiten. Mit vielen von ihnen habe ich zusammen studiert und kenne deren bewährte Kompetenz.
Meine Kollegen berichten alle davon, dass die aktuelle Situation eben nicht so ist wie bei gewohnten Grippewellen oder anderen Epidemien. Sie berichten, dass ein – je nach Region – erheblicher Mehranfall von Patienten vorliegt und die Kapazitäten unter Stress stehen oder sogar – je nach Region – auch überfordert werden.
COVID-19-Patienten sind deutlich länger beatmet auf Intensivstation als Patienten solche mit Grippe oder mit „üblichen“ Lungenentzündungen, dadurch sind Betten und Beatmungsmaschinen länger „blockiert“.
Bei sonstigen Lungenentzündungen hat man bei bakterieller Ursache Antibiotika, bei Grippe das Medikament Oseltamivir, aber bei SARS-CoV-2 („Corona“) hat man (noch) nichts, von dem man sicher wüsste, dass es ausreichend wirkt. Man kann gewissermaßen nur zusehen und hoffen.
Besonders dramatisch sind die Berichte eines gut befreundeten Ärztepaars in London. Hier ist der Anfall von kranken Menschen so hoch, dass eine ausreichende Versorgung nicht mehr gewährleistet ist und es an allem fehlt: Betten, Beatmungsmaschinen, medizinisches Personal. In London musste sogar ein provisorisches Krankenhaus mit 4000 Betten gebaut werden (Artikel auf Business-Insider).
Wenn die befreundete Ärztin mir berichtet, dass drei ihr bekannte Krankenschwestern in ihrer Klinik mit Mitte fünfzig verstorben sind und sechs Schwestern und Ärzte auf Intensivstation lagen und es teils beatmet zum Glück überlebt haben, bleiben mir persönlich keine Zweifel mehr, dass wir alle die Situation ernst nehmen sollten und das Tragen von Masken nun wirklich nicht zu viel verlangt ist.
Es wäre fatal zu glauben, in Deutschland könnte das nicht passieren. Wir können uns glücklich schätzen, dass seitens der Ärzte, aber auch der Politik viel früher reagiert wurde als zum Beispiel in Großbritannien oder den USA, wo von höchster Stelle in der Politik bis tief in die Krise noch an der Existenz einer Pandemie gezweifelt wurde und wird. Die Folgen sind unübersehbar: Dort ist das Virus geradezu explodiert, während es in Deutschland nur hier und da kleine „Brände“ gibt.
Und wir haben Glück, dass Corona „nur“ so schlimm ist wie eine „schwere Grippe ohne Impfstoff“. Das heißt, Corona und Grippe sind durchaus vergleichbar, aber ein exakter Vergleich scheitert an präzisen statistischen Daten zu Sterbefällen an der Grippe. Entscheidend sind oben genannte Fakten, dass die Gesundheitsversorgung nachweislich belastet und länderabhängig auch überlastet ist. Insofern ist die Situation schwierig genug, aber keine Apokalypse. Hätten wir es hingegen mit einer Ebola-Pandemie zu tun, wären unsere Masken sehr wahrscheinlich fast nutzlos und die Sterblichkeit bei >68% (siehe letzter Ebola-Ausbruch auf Wikipedia).
Zuletzt möchte ich daran erinnern, dass Corona zwar für ältere und krankere Menschen gefährlicher ist, das bedeutet aber nicht, dass junge und gesunde Menschen völlig verschont bleiben. Hier kommen Sterbefälle zwar seltener vor, jedoch sind die Chancen dafür dennoch grob kalkuliert 10.000 Mal besser als im Lotto 6 Richtige zu treffen (bei einer angenommenen Sterberate von 1:1000 durch Corona im Vergleich zu 6 aus 49 Richtigen ohne Zusatzzahl und Superzahl, Trefferrate 1:14.000.000, siehe unten, mein Beitrag "Gefährdungsgrad durch COVID-19").

Warum ist die Sterblichkeit in verschiedenen Ländern so unterschiedlich?

Hierfür gibt es mehrere Gründe.
- Beispiel Testrate: In Deutschland wurden im Unterschied zu Italien auch leichter Erkrankte getestet. Wer aber leichter erkrankt ist, der überlebt auch eher. Das drückt die Sterblichkeitsrate nach unten.
- Beispiel Zugang zum Test: In den USA musste man wochenlang den Test selbst bezahlen.
- Beispiel Lebensweise: In Italien leben wesentlich mehr Menschen im großen Familienverbund, so dass Ältere rasch von der jüngeren Generation angesteckt werden. In Deutschland sind Familien eher Kleinfamilien, so dass eine „Isolation“ der Älteren vorliegt.
- Beispiel Bettenkapazität: Die Krankenhauskapazitäten in Italien, aber auch Großbritannien wurden insbesondere in den letzten Jahren aus Kostengründen deutlich reduziert, und zwar in größerem Ausmaß als in Deutschland. Wer aber nicht behandelt bzw. beatmet wird, hat ein deutlich größeres Risiko zu versterben.
Schließlich führt die Angst vor Corona dazu, dass sich viele Patienten nicht im Krankenhaus vorstellen, obwohl es notwendig wäre. Außerdem konzentriert man sich in Kliniken so sehr auf Corona, dass das Risiko besteht, andere Krankheiten aus dem Blick zu verlieren.


Warum dauert es so lange mit dem Impfstoff?

Es gibt bislang keine Corona-Impfstoffe aus der Vergangenheit und somit keine direkt nutzbare Basis. Dies ist ein entscheidender Unterschied zu Grippeimpfstoffen, die innerhalb weniger Monate auf den Weg gebracht werden können.
Dennoch können Bestandteile von anderen Impfstoffen als „Grundbaustein“ verwendet und so angepasst werden, dass daraus ein Corona-Impfstoff konstruiert wird. Dieses Wissen beschleunigt den aktuellen Gesamtprozess ganz erheblich, deshalb besteht Hoffnung, dass es eben keine 5-10 Jahre dauert.
Die Testung des Impfstoffs auf Wirksamkeit und Verträglichkeit benötigt die meiste Zeit. Der aktuell in Mainz in Erprobung befindliche Impfstoff wird aktuell für mehrere Monate an gesunden Freiwilligen erprobt, danach für mehrere Monate an älteren Freiwilligen mit Vorerkrankungen.
Entgegen manch falscher Vorstellung, man würde irgendwann mit einem nicht oder nicht ausreichend getesteten Impfstoff geimpft, möchte ich hier betonen: Ein erster Impfstoff ist da, aber er wird jetzt aus Gründen der Sorgfalt und Sicherheit zunächst lange und ausführlich getestet, ob er funktioniert und gut genug verträglich ist. Die Impfstoffentwicklung dauert lang, gerade weil so intensiv getestet wird. Dies soll einen wirksamen und sicheren Impfstoff gewährleisten, bevor dieser bei der Gesamtbevölkerung angewendet wird.
Sobald der Impfstoff bereit ist, werden vermutlich – ähnlich wie bei der Schweinegrippe 2009 (siehe Wikipedia) – wieder zuerst besonders gefährdete Personengruppen geimpft und danach erst die übrige Bevölkerung.

Neues zum Antikörpertest?

Aktuell kann ich Ihnen (noch) nicht empfehlen, einen Antikörpertest durchzuführen. Die Angaben zur Verlässlichkeit des Tests stammen zum einen von der Herstellerfirma selbst, zum anderen war die Datenbasis klein (nur 69 Corona-Patienten, s.u., Diagramm 2).
Außerdem bedeutet das Vorliegen von Antikörpern nicht unbedingt, dass es auch schützende Antikörper sind, siehe Diagramm 3 mit den Antikörperspiegeln von Corona-Infizierten: Die Patienten P1 bis P10 hatten zwar Antikörper, diese waren aber nicht schützend (keine Säule sichtbar), und bei den übrigen Patienten (P11 bis P175) war die Wirksamkeit der Antikörper sehr unterschiedlich von weit unter 500 bis 20.000.
Manchmal können Antikörper sogar erst recht eine Erkrankung verschlimmern, so bei Dengue-Fieber: Beim Vorliegen bestimmter Antikörper nach einmal durchgemachter Denguevirus-Infektion verläuft die zweite Infektion deutlich heftiger. Antikörper ist also nicht gleich Antikörper.
Schließlich wird die Immunität nicht allein durch Antikörper hervorgerufen, sondern auch durch „trainierte“ Immunzellen (T-Zellen), was die Situation in der Beurteilung noch komplexer macht.
Es gilt also:
- Ist ein solcher Antikörpertest positiv, dann weiß ich nicht, ob ich wirklich geschützt bin und muss weiter Abstand halten und eine Maske tragen, denn ich könnte mich noch infizieren und andere anstecken.
- Ist der Test negativ, dann muss ich weiter Abstand halten und eine Maske tragen.
Da das Resultat in meinem Verhalten unverändert ist, empfehle ich den aktuellen Test nicht. Außerdem ist zu bedenken: Man müsste den Test theoretisch wöchentlich wiederholen.
Meine Empfehlung wird sich sicherlich irgendwann verändern, aber eben nicht heute.
Wer trotzdem einen Test durchführen möchte, kann dies bald (vermutlich Ende Mai) in Testzentren, die dies auf Privatkosten des Patienten anbieten.
Strengstens abraten möchte ich allerdings davon, nach einem positiven Test (also Vorhandensein von Antikörpern) alle Schutzmaßnahmen (Abstand, Maske etc.) fallen zu lassen und womöglich gleich die Großeltern zu besuchen. Das kann unter Umständen tödliche Folgen für diese haben.

Gibt es mittlerweile Medikamente gegen Corona?

Remdesivir ist aktuell der beste Kandidat. In einer US-Studie (s. Diagramm 4) zeigt es zumindest eine gewisse Wirksamkeit. Dies führte vor 1 Woche zur Zulassung in den USA, in Europa wird es derzeit erwogen.
Für sich allein ist Remdesivir noch nicht wirksam genug. Es sind weitere Wirkstoffe in Entwicklung.

Leben Sie Ihr Leben! – mit Abstand, Maske und Hygiene

Da uns die Corona-Pandemie noch lange (mindestens Monate, eher ein weiteres Jahr) beschäftigen wird, können wir aus psychologischen Gründen nicht dauerhaft im Ausnahmezustand verharren. Wir brauchen eine gewisse Normalität, sonst überfordert uns der Dauerstress.
Wir brauchen einerseits Vorsichtsmaßnahmen, über die wir irgendwann gar nicht mehr nachdenken müssen, weil sie zur Gewohnheit geworden sind: Abstand, Maske, Hände waschen. Andererseits benötigen wir eine (teilweise) Wiederaufnahme unserer gewohnten Tätigkeiten und Lebensweise, so dass wir spüren können, dass das Leben weitergeht.
Bitte betrachten Sie es als vorläufige Information, die sehr wahrscheinlich richtig ist, aber es gibt noch keine Garantie: Eine Übertragung über Gegenstände scheint nicht stattzufinden. Die Infektion geschieht offenbar im Wesentlichen durch unmittelbares Einatmen von Coronaviren-transportierenden Tröpfchen, die von Infizierten ausgehustet werden.
Die Medizin arbeitet unter Hochdruck an Lösungen, auch wenn das für Nicht-Mediziner im Unsichtbaren geschieht. Medikamente werden entwickelt, um Erkrankte zu behandeln. Studien zu Übertragungswegen der Infektion sammeln Informationen, so dass wir uns gezielter schützen und zugleich mehr Freiheiten gewinnen können. Und schließlich laufen parallel Impfstudien.
Dennoch ist der ganze „Spuk“ erst dann wirklich vorbei, wenn wir uns impfen lassen können. Ich behalte das Geschehen im Auge. Anfangs habe ich bis zu 10 Stunden pro Woche mit Online-Vorträgen und -Konferenzen zum Corona-Virus verbracht, momentan sind es noch wenige Stunden wöchentlich.
So kann ich für Sie auch weiterhin die wichtigsten Informationen dieses komplexen Themas heraussuchen, zusammenfassen und in allgemeinverständliche Form bringen.

Diagramme